Man stelle sich vor, ich erfände ein Produkt, das viele Menschen brauchen. Ich überzeuge sie mehr oder weniger gut davon, dass es besser ist als ähnliche, ältere Produkte, sage ihnen aber nicht, dass sie vorsichtig sein müssen, denn wenn sie es falsch benutzen, kann das auch schlimme Konsequenzen haben. Spätestens nach dem ersten Unfall, der auf dieses Produkt zurückzuführen ist, wäre ich weg vom Fenster und im Knast. Zu Recht, werden sicher alle sagen. Warum aber erzählt der uns solch ein Zeug? Das kann ich Euch, liebe Leser erklären.

Ich will an dieser Stelle nicht die ganze Diskussion um Sinn oder Unsinn von Biokraftstoff aufdröseln – ich kann nur meine Meinung sagen: Ich denke, das Ganze wäre OK, wenn dafür nicht in anderen Ländern Flächen, auf denen Nahrungsmittel produziert wurden, verwendet und somit der Hunger verstärkt wird. Ganz zu schweigen vom immensen Transportaufwand und von der Rodung von Wäldern zum Anlegen von Monokultur-Plantagen. Die Idee ist gut, die Ausführung grottenschlecht. Zudem kann das Ganze nur funktionieren, wenn wir unseren Sprithunger massiv einschränken. Aber wie gesagt, darum soll es an dieser Stelle nicht gehen.

Vor einigen Tagen sah ich im Fernsehen eine Nachrichtensendung, in der ein Experte erklärte, dass 3 Millionen Autos in Deutschland den E10-Kraftstoff nicht vertragen. Nicht, dass der Biosprit die Motoren zerstören würde (mittlerweile sprciht man von erhöhter Abnutzung durch den Sprit), was zwar wirtschaftlich schlecht aber keine ernsthafte Tragödie wäre. Das Problem liegt woanders: Bei besagten Autos greift der Biosprit die Kraftstoffleitungen an. Das führt dazu, dass der Kraftstoff ausläuft und sich beim Kontakt mit heißen Fahrzeugteilen entzünden kann. Im schlimmsten Falle werden Fahrzeugführer und Insassen des Autos flambiert.

Vertreter der Mineralölbranche sind der Meinung, dass die Angst der Verbraucher, die aus meiner Sicht vor allem Motorschäden befürchten und über die Gefahr für ihr Leben gar nichts wissen, unberechtigt sei. Die wollen den tollen E10-Sprit aber trotzdem nicht kaufen, weil sie nur schwer an Informationen kommen, ob ihr Auto den Biokraftstoff nun verträgt oder vielleicht doch nicht. Im Zweifelsfalle zahlt man lieber ein paar Cent mehr, um sich und das Auto zu schonen. Damit stehen den Mineralölkonzernen Strafzahlungen ins Haus, weil sie so die vereinbarten Biosprit-Anteile am Gesamtumsatz nicht realisieren können. Kosten, die die auch gleich noch auf die Kunden umlegen wollen.

Erinnern wir uns daran, dass wir drei Millionen Fahrzeuge haben, die den Sprit nicht vertragen. Nehmen wir einfach mal an, dass nur ein Prozent der Fahrer dieser Wagen aufgrund einer miserablen Informationspolitik nicht mitbekommt, dass der Kraftstoff schädlich für ihr Fahrzeug ist und seine Verwendung gar tödliche Folgen haben kann. Nehmen wir weiterhin an, dass bei einem Prozent dieser Fahrzeuge der oben skizzierte Fall eintritt, dann haben wir, bei einer durchschnittlichen Besetzung von nur einer Person pro Fahrzeug das Leben von 300 Menschen akut gefährdet, Folgeunfälle nicht einbezogen.

Kommen wir zum Ausgangspunkt zurück und fragen uns, was mir passieren würde, wenn ich solcherart leichtsinnig mit dem Leben meiner Kunden umgehen würde. Richtig: ich säße im Knast, wenn mich zuvor nicht schon zu Recht erboste Angehörige eines Opfers lynchten. Die Mineralölindustrie sieht das offensichtlich nicht so kritisch. Irgendwie fühle ich mich an Fight Club erinnert: „My job was to apply the formula“.


Na dann, gute Fahrt!

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5 Antworten zu “E10 – Treibstoff für die Katastrophe”
  1. reSpektive reSpektive sagt:

    [New Post] E10 – Treibstoff für die Katastrophe – via #twitoaster http://www.peer-spektive.de/wirtschaft/e
    via Twitoaster

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  2. Peer sagt:

    Heute ist nun “Benzin-Gipfel” – Mal sehen, was dabei herauskommt….

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  3. Peer sagt:

    TP: Benzingipfel: Autofahrer in der Bringschuld
    Die Einführung von E10 ist ökologisch nicht nur unsinnig, sie ist laut EU nicht einmal notwendig

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34319/1.html

    Heut morgen habe ich im DLF gehört, dass die Einführung des “Biosprits” E10 eine Idee der Autoindustrie war. Statt kleinere Autos zu bauen, wollte man die Klimaziele auf diesem Wege erreichen. Also: absolut unnötig das Ganze!

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  4. MmPf sagt:

    Der ADAC wirft den Mineralölkonzerne Aral, BP, Jet, OMV und Shell vor, sie böten nach der Einführung des neuen Kraftstoffs an manchen Tankstellen kein herkömmliches Super mehr als E10-Alternative an, sondern nur das teurere Super Plus mit 98 Oktan. Das hätten Stichproben an Tankstellen in München ergeben.

    Deswegen erstattete der Autoclub Anzeige, und zwar beim für München zuständigen Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt.

    http://www.boersennews.de/nachrichten/top-news/adac-zeigt-oelmultis-wegen-e10-an/8158

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  5. [...] denn dann könnte man die jetzige totale Mobilität mit Elektroautos aufrecht erhalten. Das Projekt Biosprit scheint ja derzeit eher [...]

  6.  
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