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Früher musste man Orakel befragen, wenn man vorab über Ereignisse Bescheid wissen wollte. Heute gibt es moderne Kommunikationsmedien, mit deren Hilfe Insider ihr Wissen in die Welt hinausposaunen können, bevor die offiziellen Wahlresultate vorliegen. So geschehen bei der Wahl am Sonntag.

Mancher wird sich fragen, was so schlimm daran ist, wenn ein paar besonders Schlaue vorab wissen, was hinten rauskommt. Es gibt zwei Gründe dafür, das nicht für eine Lappalie zu halten: Erstens gibt es so etwas wie ein Wahlgeheimnis und zweitens ist es so, dass manch Wähler sich vielleicht noch umentscheidet, wenn er die (vermutlich richtigen) Zahlen kennt. Psychologisch ist es wohl so, dass Mensch gern auf die Sieger setzt. Während man über Letzteres noch hinwegschauen könnte, ganz nach dem Motto „Wähler, die sich kurzfristig anders entscheiden, die haben wir mit unserem Programm einfach nicht überzeugen können“, ist Ersteres ein eindeutiger Vertrauensbruch. Fakt ist, dass die Ergebnisse vorab nur von den Wahlhelfern oder vom Wahlvorstand stammen können. Von den Personen also, die einen ordnungsgemäßen Ablauf der Wahl garantieren sollen. Wenn die mit den Zahlen hausieren gehen, wer verspricht uns dann, dass es nicht auch andere Manipulationsversuche gibt? Für mich ist diese “Orakelei” ein beredtes Beispiel dafür, dass Schnelligkeit kein Wert an sich ist…

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Neue Kulturtechniken haben immer Kinderkrankheiten. Eine allgemeine Kinderkrankheit des Internets und damit auch von Twitter ist die Tatsache, dass ein Nutzer erst einmal jede beliebige Identität annehmen kann. Wer sich da zu sehr darauf verlässt, dass die neuesten Nachrichten von Britney Spears auch tatsächlich von der Popdiva persönlich stammen, der fällt unter Umständen auf einen „Twitzbold“ herein. Nun gut, bei der amerikanischen Sängerin wird dies wohl eher nicht passieren, hat die sich doch die „ihre“ Adresse „twitter.com/britneyspears“ sichern können aber andere Promis waren nicht so schnell. Die Medien sind bereits auf einen falschen Harald Schmidt hereingefallen oder auf einen virtuellen Doppelgänger des Philosophen Peter Sloterdijk. Twitter hat jetzt in den USA angefangen, die Accounts bekannter Persönlichkeiten zu checken und bei erfolgreich bestandener Prüfung „verified account” zu bestätigen.

Und was lernen wir daraus? Die virtuelle Welt und die Realität passen nicht immer 100%ig zusammen. Man soll hat nicht alles glauben, was durchs Netz geistert…

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