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Die 1968er Studentenrevolte und der Springer-Verlag sind zwei Seiten einer Medaille. Die revolutionären Studenten hassten insbesondere die reaktionäre Bild-Zeitung. Deren Hetzartikel gegen Rudi Dutschke wurde als einer der Gründe für den Anschlag auf den Studentenführer gesehen. Springer galt als einer der Hauptfeinde, was unter anderem in der Belagerung der Verlagsgebäude gipfelte.
Umso erstaunlicher ist es, dass der Springer-Verlag jetzt seine Archive aus der Zeit der großen Umwälzungen öffentlich zugänglich macht. So kann man Sätze lesen wie „Es waren vor allem Vertreter jener extremen Linksgruppen, die obschon nur eine Minorität, mit ihrem Terror immer mehr Universitäten zusetzen. Sie schwenken rote Fahnen und protestieren gegen alles, was westlich orientiert ist…“ (Welt am Sonntag vom 4. Juni 1967) In der gleichen Ausgabe wird kolportiert, dass Benno Ohnesorg von dem Polizisten Kurras aus Notwehr erschossen wurde, weil der sich von einer Gruppe von Studenten bedrängt und mit einem Messer bedroht gesehen habe. Eine historische Unwahrheit, wie wir längst wissen.
Welches Anliegen Springer mit seinem Medienarchiv verfolgt, ist fraglich aber eigentlich auch egal. So wie das umstrittene Projekt „Zeitungszeugen“, für das Blätter aus der NS-Zeit nachgedruckt wurden, lassen sich die Artikel aus einer anderen Bundesrepublik nicht isoliert betrachten. Diejenigen, die sich ernsthaft für das Thema interessieren, werden wissen, dass die Wirklichkeit häufig anders aussah, als in den Zeitungen dargestellt. Aber sie erhalten dank des Medienarchivs ein Gefühl dafür, welch Umgangston einst in der Republik herrschte und wie verhärtet die Fronten waren. All die, die ihre Meinungen über die „bösen 68er“ nur bestätigt haben wollen, finden hier genug Material und Argumentationshilfen. Solchen Leuten sind die Tatsachen sowieso egal…

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