Duett statt Duell
Geschrieben von Peer in Medien, Politik, tags: Kanzlerduell, Merkel, SteinmeierAm Sonntag schauten 14 Millionen Deutsche zu, als sich Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister und SPD-Kandidat Frank-Walter Steinmeier zum Schlagabtausch zwei Wochen vor der Wahl im Fernsehen trafen. Auf vier Kanälen parallel lief die Übertragung und trotzdem war das medial aufgewertete Ereignis kein echter Blockbuster. Viel zu nett gingen die Kandidaten miteinander um.
Für mich war die Grenze der Peinlichkeit sehr zeitig erreicht. Die durchschaubaren Versuche der Fernsehjournalisten, so etwas wie Spannung aufzubauen, wurden sofort durch die schwachbrüstigen Selbstvorstellungen beider Kandidaten zunichte gemacht. Nach dem Ablaufen des albernen Countdowns folgte nicht etwa eine Explosion, sondern nur ein laues Lüftchen. Ich war so genervt, dass ich auf den MDR umschaltete und mir dort den Beitrag über Ernst Thälmann anschaute. Das war, bei all seinen Fehlern, wenigsten noch ein echter Kämpfer für seine Sache…
Da die Doku jedoch nur bis 21 Uhr lief, gab ich den beiden Herrschaften Gelegenheit, mich noch ein wenig politische zu bilden und mir zu erklären, was sie als Kanzler/in in der nächsten Wahlperiode vorhaben. Zwar kann ich meine Eindrücke nicht so gewählt wiedergeben, wie das die großen Zeitungskommentatoren tun aber auch mir ist aufgefallen, dass Merkel sich die Erfolge der Großen Koalition vor allem selbst zusprach. Während ich ihr das noch verzeihen kann, empfand ich ihr Mantra „Wachstum schafft Arbeit“ als regelrecht nervend und nervtötend. Welches Wachstum denn, Frau Merkel? Krebs ist auch Wachstum, nur eben unkontrolliertes. Man sollte denken, dass nach der Wirtschaftskrise neue Denkansätze gesucht werden aber das war dann wohl nicht zu erwarten. „Sozial ist, was Arbeit schafft“, egal, ob Bomben hergestellt werden, Autos, die keiner braucht oder zum Wohle der Wirtschaft ganze Landstriche verwüstet werden. Naja, wie sagen wir in Sachsen: „Der Gapitalismus siecht!“ Steinmeier hatte zu diesem Thema nichts zu sagen, also ist davon auszugehen, dass er das ganz genauso sieht. Zwar machte der SPD-Kanzlerkandidat eine wesentlich bessere Figur, als ich ihm das zugetraut habe, doch konnte er mich nicht überzeugen, ihn und seine Partei zu wählen. Irgendwie wirkt der Mann kraftlos. Die Kopie Schröderschen Siegeswillens will ihm so gar nicht zu Gesicht stehen.
Schade war, dass ich gestern die „kleine Runde“ mit Westerwelle, Lafontaine und Trittin verpasst hab. Die soll wesentlich inhaltsreicher und spannender gewesen sein. Für die nächste Wahl wünsche ich mir einen medialen „Endkampf“ um die Kanzlerschaft mit den fünf relevanten Parteien sowie zwei, drei Vertretern von “Splittergruppen”. Da fliegen dann bestimmt richtig die Fetzen und der Wahlkampf verdient seinen Namen wieder. Das, was in diesem Jahr abgelaufen ist, war eher ein Witz…

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