Posts Tagged “Finanzwirtschaft”

Lange Zeit war’s hier ruhig, auch weil ich gar nicht mehr wusste, worüber ich eigentlich schreiben sollte. Nicht, weil es keine Themen gab, sondern eher viel zu viele. Nur geht es mir, wie so vielen anderen Menschen auch, dass ich oftmals von der Komplexität der Themen überfordert bin.

Monopoly im großen Stil – und keine Lösungen

Was zum Beispiel die Eurokrise und Griechenland betrifft, so habe ich sicher kein Kochrezept parat, wie man das sinkende Schiff wieder flott bekommt. Etwas merkwürdig ist es aber schon, wenn man sieht, wie die einfachen Menschen in Griechenland immer mehr ausgepresst werden und die neue Regierung es nicht hinbekommt, diejenigen, die an der großen Kohle sitzen, zur Kasse zu bitten. Ich sage nur: gerechtes Steuersystem. Seltsam auch das Troika (liebe Wessis, das Wort wird nicht Tro-i-ka, sondern Troj-ka gesprochen!) und unsere ach so an der Stabilität des Euro interessierte Kandisbunzlerin nicht darauf insistieren, dass endlich mal den Reichen in die Taschen gegriffen wird. Unabhängig davon erschließt sich mir die Logik der Rettungspläne nicht. Soll Griechenland, um wieder mitspielen zu können, zu einer industriellen Exportnation werden wie wir? Wer kauft dann eigentlich den ganzen Kram und ist Deutschland tatsächlich scharf auf starke Konkurrenz im eigenen Haus (Europa)? Das will mir ehrlich gesagt nicht einleuchten. Aus meiner Sicht wird es immer so bleiben, dass es landwirtschaftlich geprägte Länder wie Griechenland oder Spanien gibt und solche Industrieländer wie Deutschland und Frankreich, die quasi „mehr Geld verdienen“. Ohne einen Ausgleich untereinander, kann ein einheitlicher Währungsraum nicht funktionieren. Ob man diesen Ausgleich in Form von Zahlungstransfers nun „Eurobonds“ oder „Waffeleisen“ nennt, ist völlig Wurscht. Wer jetzt rumschreit, dass er nicht für die faulen Südländer zahlen will, der scheint die letzte Zeit geschlafen zu haben. Guten Morgen, Dank ESM und Rettungsschirm wird das Ganze jetzt schon schön teuer und bezahlen dürfen wir Trottel das, denn es sind unsere Steuern. Die kommen übrigens nicht den Griechen oder ihrer Wirtschaft zugute, sondern hauptsächlich den Not leidenden Banken. Gut, nicht? Denn die schaffen ja bekanntermaßen ständig neue Werte, wenn auch keine realen.

Energie für Veränderungen oder „alles bleibt beim Alten“

Ein Thema, bei dem ich mich ein klein wenig besser auskenne, ist die Energiewirtschaft. Dort wird ja nach Verkündigung des Umbaus der Energieerzeugung wieder ganz groß am Rad gedreht. Die Schlagzeile, die des Volkes Blut zum Kochen bringt, ist die von den explodierenden Strompreisen. Plötzlich regt sich Mitleid mit dem Hartz IV-Pöbel, der sonst nur als arbeits- und lichtscheue sowie bildungsferne Randgruppe in Erscheinung treten darf. Die armen Menschen wüssten nicht, wovon sie im Winter ihren Strom bezahlen sollten, wenn das mit den Strompreisen so weiter geht. Als Druckmittel sind die sozial Derangierten immer gern gesehen, vor allem, wenn es darum geht, die Interessen der Industrie durchzusetzen. Dabei ist es genau die (energieintensive) Industrie, die mit ihrer Befreiung von der EEG-Umlage dem Normalbürger zusätzliche Kosten aufbürdet. Es geht ja um Arbeitsplätze und da ist jedes Mittel Recht.
Ideale Voraussetzungen also für die Energielobby – erinnern wir uns, der Markt in Deutschland ist de facto zwischen vier großen Anbietern aufgeteilt, die ein so genanntes Oligopol bilden – wieder gegen den Umbau der Energieerzeugung zu schießen, denn Umbau bedeutet ja zuerst einmal Investitionen, also Geld hineinstecken. Selbstverständlich investieren Vattenfall, Eon, RWE und EnBw auch, allerdings nur, wenn sie sich davon satte Gewinne versprechen. Und die fallen vor allem dann an, wenn die Menschen dieses Landes quasi abhängig von den Anbietern sind. So eine Solaranlage auf dem Dach ist nicht so sehr wegen der paar Cent Einspeisegebühr ärgerlich, sondern vor allem, weil sie für eine andere Art von Energieerzeugung steht. Jedem, der bis drei zäjhlen kann, sollte eigentlich klar sein, dass wir in Zukunft

    a) versuchen sollten, fossile Rohstoffe nicht zu verbrennen, denn es gibt noch zahllose andere, wesentlich sinnvollere Wege diese zu nutzen
    b) unsere Energie dezentral zu erzeugen, denn gerade der Transport ist mit massiven Verlusten und auch Landschaftsverbrauch verbunden
    c) und das atomare Energie ebenfalls keine Zukunft hat, denn bei der (noch immer extrem ineffektiven Verwertung nuklearer Zersetzungsprozesse entstehen Stoffe, die unsere Umwelt auf lange Zeit vergiften. Eine einigermaßen sichere Lagerung dieser Substanzen ist extrem teuer, Kosten, die bisher ausschließlich vom Steuerzahler getragen werden.

Lügen, Halbwahrheiten und viel Geld

Der Dreiklang Dezentralisierung, Nutzung erneuerbarer Energien und Energieersparnis klingt in den Ohren der Großkonzerne wie ein Fanal des Untergangs. Kein Wunder, dass sie sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln wehren, denn schließlich geht’s um ihr Geld und ihre Macht. Ich kann nur hoffen, dass sich die Menschen nicht ins Bockshorn jagen lassen und den Mist glauben, der ihnen da erzählt wird. So wie diese unselige CCS-Technologie, die uns zur Weißwäsche der Kohleverbrennung untergejubelt werden sollte und jetzt scheinbar vom Tisch ist. Leider, muss ich sagen, aufgrund der Ängste der Bürger vor den unkalkulierbaren Risiken der Kohlendioxidverpressung, und nicht weil die Leute kapiert hätten, dass sie verarscht werden sollten. Es kann kein CO2-freies Kraftwerk, ein absurder Ausdruck, der die CCS-Technologie hoffähig machen sollte, geben! Weil, so lehren und Physik und Chemie, bei der Verbrennung von Kohlenwasserstoffen (Erdöl, -gas, Kohle) immer CO2 (und/oder Kohlenmonoxid, unvollständige Verbrennung) entsteht. Um diese Gase dann unter hohem Druck zu verflüssigen und in irgendwelche (vielleicht dichten) tiefen Erdschichten zu verpressen, ist wiederum Energie nötig. Was den Wirkungsgrad der Energieerzeugung verringert. Nur mal so nebenbei. Wer so eine Technologie für den Stein der Weisen hält und für deren Entwicklung auch noch massiv staatliche, aus Steuern generierte Fördermittel abfassen will, der gehört eigentlich in eine geschlossene Anstalt oder zumindest wieder auf die Schulbank.

Anders als bei den Exzessen der Finanzwirtschaft ist im Energiesektor noch verhältnismäßig leicht zu durchschauen, wer da an welchen Rädern dreht und zu welchen Zwecke. Ich sag nur: Lasst Euch keinen Bären aufbinden. Die Energieerzeugung muss spätestens in zwanzig oder dreißig Jahren komplett anders aussehen als heute oder wir schauen wirklich in die Röhre. Die fossilen Energieträger werden immer teurer, daran führt kein Weg vorbei…

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„Kein Produkt und kein Akteur des Finanzmarkts soll künftig mehr unreguliert oder unbeaufsichtigt sein“, hieß es im Abschlusskommuniqué des G20-Gipfeltreffens im April 2009 in London. Die Politiker der wichtigsten Industriemächte waren sich ausnahmsweise einmal einig. Die Banken müssen mehr Eigenkapital behalten und dürfen viele Finanzprodukte auch nicht mehr so einfach „ausbuchen“. Doch damit ist bei genauer Betrachtung noch keines der Probleme gelöst, denn das Geld sucht sich andere Wege. Von der Regulierung profitieren Hedge-Fonds, Private Equity-Firmen und andere mehr oder weniger undurchsichtige Unternehmungen, so genannte Schattenbanken. Auf diesem Sektor ist der staatliche Einflussnahme gering, manche Akteure wandern ab, Banken gründen eigene Fonds aus oder beteiligen sich an den entsprechenden Firmen. Es ändert sich nur die Umgebung, in der die hochriskanten Geschäft weiterhin getätigt werden.

Doch auch die Banken selbst als am stärksten regulierter Teil der Finanzbranche, haben keine weiße Weste. Anders ist kaum zu erklären, dass jetzt in den USA die Angst vor neuen Offenbarungen bei Wikileaks grassiert. Plattform-Gründer Assange hatte im vergangenen November angekündigt, dass er Papiere besitzt, die „ungeheuerliche Übertretungen“ und „unethische Praktiken“ offen legen würden. Was genau darunter zu verstehen ist, wird sich in Kürze zeigen. Die Richtung in der die Offenbarungen gehen werden, ist aber klar: viele Banken und andere Finanzdienstleister arbeiten nach dem Prinzip „Gewinne privatisieren, Verluste vergesellschaften“. Anders ist kaum zu erklären, dass z.B. die fünf größten US-Banken in der Finanzkrise zugelegt haben. Der Marktanteil von Bank of America, JP Morgan Chase, Citigroup, Wells Fargo und Goldman Sachs wuchs seit 2007 von 11,8 auf 13,3 Prozent. Wer ein wenig die Nachrichten aus der Finanzbranche verfolgt, kann trotz aller guten Ansätze mit Sicherheit sagen, dass es wieder zu neuen Krisen kommen wird. Das Beste ist also, die Finger von „risikolosen“ und „hochprofitablen“ Geschäften zu lassen und lieber eine kleinere Rendite in Kauf zu nehmen…

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