Die Bahn kommt… nicht aus den Schlagzeilen
Geschrieben von Peer in aktuell, Wirtschaft, tags: ausgefallene Klimaanlagen, Bahn, Fahrgäste, Hitze, kollabiert, Rüdiger GrubeManchmal glaube ich, die Bahn hat nur zwei Feinde: das Wetter und die Fahrgäste…
In Deutschland ist es derzeit sehr heiß. Vielleicht liegen wir in diesem Jahr ein wenig über den Durchschnittswerten, doch wirklich ungewöhnlich sind Temperaturen über 30°C im Sommer hierzulande nicht. Unerklärlich also, warum die Klimaanlagen der Deutschen Bahn mit diesen äußeren Bedingungen nicht klar kommen. Am Wochenende war es in „3 von 1.400 Zügen“ (man stelle sich vor, eine Fluggesellschaft würde so argumentieren!) zu Szenen wie aus einem Katastrophenfilm gekommen: Menschen lagen fast reglos auf den Gängen, kollabierten oder gerieten in Panik. Einige Passagiere mussten nach der Fahrt sogar zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht werden. Die Erklärung der Bahn: Das Wetter sei schuld. Die Klimaanlagen wären verstopft wurden, die anhaltende Trockenheit und der daraus resultierende Staub seien schuld.
Soweit so schlecht. Wer schon einmal das Vergnügen hatte, mit einem der hochmodernen ICEs zu fahren, der wird auch bei kälterer Witterung bemerkt haben, dass die Luft in den Abteilen alles andere als angenehm ist. Nun bin ich sowieso kein Freund von Klimaanlagen aber ehrlich gesagt, fühle ich mich als zahlender Fahrgast bevormundet, wenn ich nicht einmal ein Fenster aufmachen kann und mich ganz den klimatischen Vorstellungen der Bahnoberen anpassen muss. Aber das ist vielleicht nur mein persönliches mentales Problem. Was ich allerdings nicht akzeptieren kann, ist die Tatsache, dass es offensichtlich keinen Plan B für Situationen wie diese gab und gibt: Was tun wir, wenn bei voll besetztem Zug die Klimaanlage ausfällt. Zumindest hätte man pro Wagen zwei Fenster einbauen können, die sich partiell öffnen lassen, am Anfang und am Ende des Wagens, um einen Luftzug zu erzeugen. Da möchte man gar nicht wissen, was passiert, wenn durch einen Brand giftige Gase entstehen und die Klimaanlage ausfällt. Was passiert dann? Da hilft nur die Scheibe einzuschlagen, was ich übrigens in der im Welt-Artikel beschriebenen Situation gemacht hätte. Ohne Rücksicht auf eventuelle Schadensersatzansprüche der Bahn. Ehrlich gesagt, glaube ich auch nicht, dass die sich das getraut hätten.
Die neuerliche „Panne“ ist nur ein weitere in einer endlosen Folge von kleinen und großen Katastrophen von verwirrten Anzeigentafeln, schwer zu bedienenden Automaten bis hin zum Unglück von Eschede. Ich bin nur Fahrgast, kann deshalb nicht mit einem „Blick hinter Kulissen“ bei der Bahn dienen und etwaige Vorwürfe untermauern. Pro Bahn kann das sicher viel besser. Im Zusammenhang mit den aktuellen Problemen beklagt der Verein auf jeden Fall die zu langen Wartungsintervalle für die offensichtlich anfällige Technik.
Aus meiner Sicht hat die Bahn als sichere und flächendeckende Alternative zum Auto längst ausgedient. Ganz zu schweigen von den horrenden Preiserhöhungen bei gleichzeitiger Reduktion der Leistung, die ich selbst miterleben durfte. Diese Entwicklung ist mit ziemlicher Sicherheit Ergebnis der verfehlten Politik der Bahnspitze. Herr Mehdorn, der in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender den Börsengang des Unternehmens betrieb, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals Regionalbahn gefahren, vielleicht nicht mal ICE. Er hat sich mit Sicherheit nicht unerkannt am „Service Point“ beraten lassen oder am Automaten eine Fahrkarte erworben. Ob sein Nachfolger Rüdiger Grube, ein ehemaliger Auto- und Flugzeugmann, jemals aus dem Auto in den Zug umgestiegen ist, wer weiß? Solange die Bahn weiterhin nur als Wirtschaftsunternehmen gesehen wird, das hauptsächlich Profite abwerfen muss, wird sich nichts ändern. Über die soziale Funktion der Bahn, auch denen Mobilität zu ermöglichen, die sich kein Auto leisten können oder wollen, redet heutzutage sowieso niemand mehr…

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