Posts Tagged “China”

Der aktuelle Hype der Mediengesellschaft ist der iPad, ein Apple-Tablet PC, der gestern von Steve Jobs in San Francisco vorgestellt wurde. Zwar ist das Gerät, das in der einfachsten Version knapp 500 Dollar kosten soll, nicht gerade das, was man als billig bezeichnen würde, doch teuer ist das Hightech-Gerät auch nicht. Schließlich muss die potentielle Kundschaft es sich leisten können. Dass das neuste Gadget aus der Apfel-Schmiede bezahlbar bleibt, liegt vor allem daran, dass es in Fernost gefertigt wird. Der taiwanesische Elektrokonzern Foxconn, der auch für andere Technikunternehmen Handys, Computer oder Spielkonsolen baut, lässt es in der chinesischen Sonderwirtschaftszone Shenzhen zusammen schrauben.
Die chinesischen Sonderwirtschaftszonen sind eine seltsame Mischung aus Staatssozialismus und Frühkapitalismus. Die Arbeiter schlafen in Sälen auf dem Fabrikgelände, arbeiten sechs Tage die Woche und verdienen etwa 200 Euro im Monat. Das ist in China nicht wenig Geld – das Durchschnittseinkommen eines Stadtbewohners liegt im Monat bei etwa 80 Euro, auf dem Lande sind es gerade einmal 25 Euro im Schnitt. Mit anderen Worten: Sparte ein Chinese 5 Prozent seines Einkommens (das sind 4,00 bzw. 1,25 Euro), könnte er sich das iPad nach sieben bzw. nach fast 22 ½ Jahren leisten. Die iPad-Bauer bräuchten „nur“ knapp drei Jahre. Höchstwahrscheinlich werden diese Menschen aber niemals solch ein Gerät besitzen, schließlich haben sie ganz andere Sorgen…

VN:F [1.9.13_1145]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.13_1145]
Rating: 0 (from 0 votes)

Comments 1 Kommentar »

Über 700 Millionen Chinesen besitzen ein Handy mit anderen Worten etwa jeder Zweite. Anders als „im Westen“ ist das Mobiltelefon eine der Hauptinformationsquellen der Menschen, das Internet spielt hier noch eine untergeordnete Rolle. Sicher auch, weil das Medium wesentlich stärker kontrolliert wird.
Es verwundert sicher nicht, dass die regierende Kommunistische Partei die Mobiltelefone für ihre Zwecke einsetzen will: So erhielten kürzlich über eine Million junge Parteifunktionäre von Vizepräsident Xi Jinping „freundliche Grüße des Zentralkomitees“ per SMS mit der Ankündigung auch weiterhin auf diesem Wege Kontakt zur Basis zu halten.
Auf der anderen Seite reguliert die Partei gerade das Versenden von SMS-Textbotschaften verstärkt. So konnten seit Juli 2009 20 Millionen Bewohner der westchinesischen Grenzregion Xinjiang keine SMS versenden, weil die KP-Führung fürchtete, „Unruhestifter“ würden das Medium für ihre Zwecke nutzen.
Für hitzige Diskussionen sorgte das Bemühen der Funktionäre die SMS-Botschaften „sauber“ zu halten. Die „gelben SMS“, darunter werden obszöne und pornografische Mitteilungen verstanden, werden auch dank spezieller Software-Filter erkannt und gelöscht. Die Absender der Botschaften müssen mit einer zweiwöchige SMS-Sperre rechnen. Der Knackpunkt dabei ist, dass bisher keine offiziellen Listen existieren, welche Worte denn eigentlich als obszön gelten. Das SMS-Reinheitsgebot könnte so zum Bumerang für die Regierung werden: Ein Kommentar der „Südliche Metropolen-Zeitung“ formuliert: „Wenn das so weiter geht, sind bald alle – vom Zensor über den Polizisten bis zum Stadtinspektor – so sehr damit beschäftigt, uns mundtot zu machen, dass sie zu nichts anderem mehr kommen.“ Damit bekommen die harmlosen SMS-Schweinereien plötzlich eine ganz andere, eine politische Dimension.

(Quelle: taz)

VN:F [1.9.13_1145]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.13_1145]
Rating: 0 (from 0 votes)

Comments Keine Kommentare »