Posts Tagged “Chicago”

Wer erinnert sich nicht an all die „School shootings“, deren medial einflussreichstes Ereignis das Massaker in Littleton war? Man sollte glauben, dass all dies Unglück langsam aber sicher zu einem Umdenkprozess in den Vereinigten Staaten führt doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Das Oberste Gericht der USA, der Supreme Court hat in einer einschneidenden Entscheidung das Recht der Waffennarren weiter gestärkt. Bisher war es so, dass Kommunen oder Gemeinden selbst entscheiden konnten, ob sie ihren Bürgern erlauben, Waffen zu tragen. Der Richterspruch, der das Verbot von Handfeuerwaffen in Chicago außer Kraft setzt, hebelt diese Selbstständigkeit aus und setzt das Recht des Einzelnen über die Regeln der Gemeinschaft. Der Supreme Court beruft sich dabei auf den „zweiten Verfassungszusatz“, der es jedem Amerikaner erlaubt, Waffen zu besitzen und zu tragen („to keep and bear arms“).

Begrüßt wird das Urteil, das Folgen für die gesamten Vereinigten Staaten haben dürfte, vor allem von der Waffenindustrie und den Fanatikern der National Rifle Association, deren prominentester Vertreter Charlton Heston, mit obigem Statement Eingang in Michael Moores Dokumentation „Bowling For Columbine“ fand: „From my cold dead hands“ – Wenn ihr mir meine Waffe wegnehmen wollt, müsst ihr mich schon töten. Eine Haltung, die ihre Wurzeln in den rauen Anfangstagen der Staaten und im Selbstverständnis vieler Bürger hat, sich selbst verteidigen zu können. Notfalls auch gegen die eigene Regierung, der man gerade im stockkonservativen „bible belt“ wenig Vertrauen entgegen bringt. Für die politishc nicht ganz einflusslose extreme Rechte ist Washington der Sitz der ZOG – zionist occupied government – eine jüdisch unterwanderte Regierung, die die Rechte der „ehrlichen weißen Amerikaner“ beschneiden will. Bei solch einer Gemengelage ist es kein Wunder, dass das Supreme Court im Sinne der Waffenfetischisten entschied.

Dabei gibt es gute Gründe, dafür zu sorgen, dass die Knarren nicht so locker sitzen. Die USA ist in absoluten Zahlen führend im Bezug auf die „Toten durch Schusswaffen“, hinter Südafrika, Brasilien und Kolumbien. Auf die Einwohner bezogen, sieht die Zahl zwar nicht mehr ganz so schlimm aus, doch im Vergleich zu anderen Staaten der „ersten Welt“ steht man auch hier besonders schlecht da. Nun muss nicht jeder Besitzer von Schusswaffen zwangsläufig seine Familie, Arbeitskollegen oder unbeteiligte Mitmenschen auslöschen – die hohe Waffendichte führt jedoch eindeutig dazu, dass von Pistolen, Gewehren & Co. öfter Gebrauch gemacht wird – mit den entsprechenden Folgen. Nicht zu vergessen, all die Unfälle, die durch den unsachgemäßen Umgang mit den gefährlichen Gegenständen tödlich enden. Sicher wird die Gesellschaft auf keinen Fall davon und aus meiner Sicht ist es sinnvoller, in diesem Punkt die „Freiheit“ des Einzelnen zum Wohle der Gemeinschaft einzuschränken. Wie immer geht es dabei um eine Abwägung von Rechtsgütern und das Recht auf Selbstverteidigung ist sicher hoch einzuschätzen. Aber dies lässt sich im Zweifelsfalle auch ohne Waffen bewerkstelligen. Viele Waffen sorgen im Gegenteil eher dafür, dass der Anlass zur Selbstverteidigung öfter gegeben ist, denn mit einer Knarre in der Hand kann selbst ein kleines Kind für einen Erwachsenen zur Gefahr werden. Die Folge ist eine Spirale der Gewalt, wie sie gerade an sozialen Brennpunkten immer wieder zu beobachten ist…

VN:F [1.9.13_1145]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.13_1145]
Rating: 0 (from 0 votes)

Comments 1 Kommentar »