Endlich wieder Krise
Geschrieben von Peer in Gesellschaft, Wirtschaft, tags: Börse, Finanzkrise, Geldsystem, SpekulationDerzeit kann ich mir ein Grinsen kaum verkneifen. Wenn man sieht, mit welcher Penetranz gerade wieder eine Krise unseres Geldsystems inszeniert wird. Staaten, die Pleite gehen oder Dank der Abstufung einer einzelnen Rating-Agentur (oder sollte es nicht besser Rate-Agentur heißen) ins Trudeln geraten. Ein „A“ wird durch ein „+“ ersetzt und schon brechen die Börsenkurse weg wie frisches Knäckebrot unter einem 12-Tonner-LKW. Was ist da eigentlich los, fragt man sich als Laie – mit der Realität kann das ja eigentlich nichts zu tun haben. Geht’s jetzt um die Wurst, gar um die Currywurst? Müssen wir unseren tollen Lebensstil aufgeben und verarmen alle?
Griechenland hat viele Schulden, Italien, die USA aber auch die Bundesrepublik. Das ist nicht erst seit gestern bekannt. Im Gegenteil – eigentlich wussten alle, die an der Einführung des Euro arbeiteten – darunter auch die Staats- und Großbanken der beteiligten Länder – dass das Land für die Währungsunion nicht reif ist. Trotzdem bekamen die Griechen ihren Euro – wie hätte das auch ausgesehen, eine europäische Finanzunion ohne die Wiege Europas? Auch dass die USA schon seit Jahren weit über ihre Verhältnisse lebt und dass daran die ständige Kriegsspielerei der Amis einen großen Anteil hat, ist sicher keine Überraschung. Dass sich da etwas ändern muss, kein Geheimnis.
„Ich glaube nicht an eine Wirtschaftskrise. Die Angst davor scheint übertrieben. Die Auftragsbücher in der Wirtschaft sind voll und müssen erst mal abgearbeitet werden. Die Banken werden weiter stabil bleiben. Das, was sich an den Börsen abspielt, sind immer Spekulationen – nach oben oder nach unten.“
Edgar Most, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank
Warum, so fragt sich der normale Mensch, entsteht jetzt diese Hektik an den Börsen? Die Antwort mag ein wenig nach Verschwörungstheorie klingen aber ich denke, dass es hier mal wieder um die große Absahne geht. Die Finanzwirtschaft hat schon seit einiger Zeit nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun, sonst gäbe es kaum diese „Vertrauenskrisen“. Das ist bei genauerem Hinsehen nicht viel mehr als Kaffeesatzleserei. Eigentlich sollten sich die Börsenmakler an den langfristigen politischen Entwicklungen orientieren, statt dessen reagieren sie wie eine Horde aufgeschreckter Hühner, wenn’s mal knallt. Dumm nur, dass Dank riesiger Spekulationsblasen beim hektischen Geldverschieben unter Umständen ganze Volkswirtschaften in sich zusammen brechen. Und sich einzelne Akteure bereichern, denn sonst gäbe es diese Betriebsamkeit auch nicht.
Wenn es nach mir ginge, würden die Börsen einmal im Monat für einen Arbeitstag geöffnet, damit wieder ein bisschen mehr Hirn und etwas weniger Hektik Einzug hält. Ganz abgesehen von den anderen Dingen, die geregelt werden müssten (s. Interview Edgar Most). Und ganz zu schweigen von der Änderung unseres perversen Geldsystems, denn die Zahlungsmittel sind längst schon von einer praktischen, den Handel erleichternden Erfindung zu einer Geißel der Menschheit geworden. Und wie das Geldsystem tatsächlich funktioniert, weiß eigentlich keiner mehr…

Einträge (RSS)