Ganz ehrlich gesagt ist mir die katholische Kirche ziemlich egal. Weder glaube ich an den lieben noch an irgendeinen anderen Gott, noch interessiert mich die Institution an sich, denn in meinem Leben spielt sie keine Rolle. Doch leider ist das in Wirklichkeit nicht so. Obwohl wir quasi in einem säkularen Staat leben, haben Katholiken und Protestanten als wichtigste christliche Kirchen einen deutlichen Einfluss in unserer Gesellschaft. Häufig genug sind gerade die oberen Etagen der kirchlichen Hierarchien ein Hort konservativer Weltanschauung, die alles verdammt, was anders ist und hehre moralische Grundsätze aufstellt, denen die Gläubigen nacheifern sollen. Bischof Mixa ist ein beredtes Beispiel für diese stockkonservative Kirchenführung. Der Bischof von Augsburg verglich unter anderem Abtreibungen mit dem Holocaust, machte den Atheismus für Nationalsozialismus und Kommunismus gleichermaßen verantwortlich oder die sexuelle Revolution für den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche.
Das alles hat zwar dazu geführt, dass Walter Mixa häufig in der öffentlichen Kritik stand, sein Amt aufgeben musste er jedoch trotz seiner unhaltbaren polemischen Entgleisungen nicht. Jetzt werden ihm seine Prügelattacken als Stadtpfarrer aus den 1970ern und 80ern zum Verhängnis. Nachdem der Bischof die „körperliche Züchtigung“ Schutzbefohlener lange Zeit geleugnet hatte, musste er sie nun zugeben, nicht ohne jedoch diese auf „ein paar Ohrfeigen“ zu relativieren.
Die Kirche zeigt sich in dieser Sache mal wieder so scheinheilig, wie in vielen anderen Zusammenhängen. So sehr man das Verhalten Mixas kritisieren kann und muss, Prügel gehörte (und gehört leider immer noch) zu den gängigen Erziehungsmethoden in Deutschland. Es ist durchaus vorstellbar, dass dem 1941 Geborenen und vielen seiner Altersgenossen das Unrechtsbewusstsein in dieser Beziehung fehlt. Das macht die Sache zwar nicht besser, zeigt die Verfehlung Mixas aber in einen anderen Lichte. Anders ausgedrückt: Es ist reichlich verlogen, sich des unliebsamen Bischofs aufgrund dieser Vorfälle zu entledigen, während man ihn viele Jahre trotz zahlloser anderer Tiefschläge für tragbar hielt. Jetzt, da der Bann gebrochen ist, werden zudem Vorwürfe laut, Mixa habe sich auch an Kircheneigentum bereichert.
Wie auch bei den Missbrauchsfällen geht es im kirchlichen Zusammenhang immer nur darum, die Einheit zu wahren und die eigenen Schäflein vor der Bestrafung zu schützen. Das Gesamtbild soll nicht angekratzt werden, denn die Glaubenskrieger glauben noch immer, dass sie eine moralische Instanz seien. Sind sie aber nicht. Christen sind genauso fehlerbehaftete Menschen wie andere auch. Und wie in jedem Unternehmen oder jedem Staat haben nicht nur fähige und lautere Menschen ein Amt bzw. einen Posten inne. Anders aber als Staat und Unternehmen haben uns Kirchen nicht zu befehlen. Als abhängig Beschäftigter muss ich tun, was mein Chef sagt, als Bürger habe ich mich an die Gesetze zu halten (und auch da gibt es die Alternative der Kündigung oder die Auswanderung). Glaube hingegen ist freiwillig. Wenn ich irgendwann den Vertretern des Glaubens ihre hohlen Sprüche nicht mehr abkaufe, dann können sie mich nicht zurückhalten. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Menschen von der Kirche abwenden und sich lieber selbst entscheiden, was sie für moralisch halten und wer ihnen in dieser Hinsicht als Vorbild dient. Kirchliche Amtsinhaber wie Herr Mixa braucht niemand mehr und die kirchliche Hierarchie auch nicht. Denn die diente schon immer nur dem Machterhalt der Institution und nicht den Menschen. Glaube sollte in erster Linie immer Privatsache sein…

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4 Antworten zu “Mixa Macht Mist”
  1. reSpektive reSpektive sagt:

    [New Post] Mixa Macht Mist – via @twitoaster http://www.peer-spektive.de/politik/mixa
    via Twitoaster

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  2. Peer sagt:

    Da scheinen eine Menge Gläubige ihre Konsequenzen zu ziehen: Jeder vierte Katholik erwägt Kirchenaustritt

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  3. Peer sagt:

    Das passt doch auch hervorragend zum Thema

    “Unglaublich, sollte man meinen, dass die Trennung von Staat und Kirche in Deutschland von der Union nicht akzeptiert wird, die damit vor den radikalen Kräften der Realitätsverweigerung kuschen.”

    aus “Verunglückte Demonstration der christlichen Toleranz – Eine selbstbewusste muslimische Ministerin scheint auch im ‘Zukunftsland Niedersachen’ kaum ertragbar zu sein”
    http://www.heise.de/tp/blogs/8/147515

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  4. Peer sagt:

    Der Skandal um den Ex-Bischof weitet sich immer mehr aus: http://www.presseportal.de/pm/55903/1635068/westdeutsche_allgemeine_zeitung

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