110 fürs Internet
Geschrieben von Peer in Medien, Politik, tags: 110 fürs Internet, illegale Angebote im Internet, WebpolizeiDer Bund deutscher Kriminalbeamter fordert einen Notruf-Button fürs Internet. Technisch wäre das sicher machbar, dass quasi eine Email an eine zentrale Stelle geschickt wird oder ein Chatroom geöffnet würde, über den sich ein User vom heimischen PC aus mit einem zuständigen Beamten verständigen könnte. Beim Drücken des Knopfes soll zudem ein Screen-Shot erstellt werden, der zur Beweissicherung im flüchtigen Medium Internet dient. Auch das ist technisch ohne großen Aufwand möglich.
Hört sich gut an für die Sicherheitsfanatiker, die im Internet an jeder Ecke das Verbrechen lauern sehen. Doch wie realistisch ist solch ein Szenario? Seien wir ganz ehrlich – ich glaube nicht daran, dass sich der „Notruf fürs Internet“ durchsetzt.
All diejenigen, die sich im Netz auskennen, legen sicher keinen gesteigerten Wert darauf, die Polizei quasi immer dabei zu haben. Ein unvorsichtiger Klick auf den Button und der Screenshot geht an die Polizei? Das will niemand wirklich haben. Mit anderen Worten – kein Vertreter dieser Zielgruppe würde seinen Browser freiwillig mit solch “Widget” beladen.
Diejenigen, die nicht so viel Ahnung haben, würden den Button höchstwahrscheinlich massiv „missbrauchen“ – die Einen, weil sie denken, dass sie sowieso keiner erwischen kann, die anderen, weil sie Meinungsäußerung und Gesetzesverletzung nicht unterscheiden können oder grundsätzlich wegen jedem Übertreten der Nettikette flennend zur Polizei rennen. Oder weniger freundlich ausgedrückt: Dem Denunziantentum wären Tor und Tür geöffnet. Da hat die Polizei sicher Besseres zu tun.
Eines der Argumente für den Notruf ist, dass z.B. der Polizist am anderen Ende der Telefonleitung beim Wählen der 110 unter Umständen ein technisches Rindvieh eine technische Randexistenz ist und überhaupt nicht weiß, wovon der Anrufer da gerade spricht. Das ist im Falle tatsächlicher Gesetzesverletzungen sicher auch nicht hilfreich. Deshalb erscheint es sinnvoll, von staatlicher Seite aus Angebote mit leicht zu merkenden urls einzurichten, die saubere Handlungsanweisungen enthalten, falls wirklich mal ein Nutzer etwas Illegales findet. Doch auch diese Angebote müssen betreut werden und dafür bedarf es befähigter Polizisten. Umsonst gibt es die nicht und so ist in Zeiten des fortdauernden Sparzwangs kaum zu erwarten, dass mehr Geld für eine Internetpolizei ausgegeben wird. Mit anderen Worten: „Nette“ Idee aber leider völlig sinnlos.
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