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Okt
11
2013

Der Untergang des Qualitätsjournalismus – Die Huffington Post ist online
Geschrieben von Peer in Gesellschaft, Medien, tags: Huffington Post, Medien
Gestern ist die deutsche Ausgabe der Huffington Post online gegangen. Die Wikipedia beschreibt das Geschäftsmodell der Online-Zeitung wie folgt: „Ein Großteil der Beiträge wird von unbezahlten freiwilligen Autoren verfasst. Sie verweisen nahezu ausschließlich auf Berichte anderer Medien und bereiten diese für eine Leserschaft auf, die weniger an Hintergründen als an kurzen Zusammenfassungen mit meinungsstarker Bewertung interessiert ist. Daneben stehen die fast täglichen Kolumnen von Huffington selbst und einem Kernteam von Mitarbeitern. Zudem publiziert die Huffington Post Beiträge von Prominenten aus dem Bereich Politik, Journalismus, Wirtschaft und Unterhaltung…“
Dass manche Journalisten und Verlage mit dieser Arbeitsweise ein Problem haben, kann ich mir schon vorstellen. Schließlich machen Sie einen Großteil der Arbeit und die Schreiber der Huffington Post fassen das Gelesene nur in verdaulicheren Bröckchen für eine eher „lesefaule“ Klientel zusammen. Ganz nebenbei geht so auch mancher Werbekunde verloren, der über die HuffPo 🙂 auf die eigene Seite kommt und dort keine Anzeige mehr klickt, weil er das zuvor schon getan hat.

Verständlich ist auch, dass viele Journalisten mit der neuen Onlinezeitung ein Problem haben, denn durch den Gratisjournalismus erhöht sich der Druck auf die professionell arbeitenden Schreiber, noch „kostengünstiger“ zu werden. Dabei kann schon heute kaum ein Journalist, der nicht einen der wenigen festen Jobs ergattert hat, allein vom „echten“ Journalismus leben. Viele Freelancer verdienen sich deshalb – eigentlich nicht mit dem Berufsethos vereinbar – als „Lohnschreiber“ im PR-Gewerbe ein paar Euro dazu.

Im Artikel von Springer-Redakteurin Andrea Amerland werden noch weitere Gründe genannt, warum die Huffington Post kritisch zu sehen ist: Vieles was in der amerikanischen Mutterausgabe veröffentlicht würde, sein kein Qualitätsjournalismus, sondern interessengesteuerte Meinungsmache, es fehlten journalistische Standards, die Grenzen zwischen Bürgerreporten und „echten“ Journalisten würden verschwimmen. Sicher, vieles davon ist richtig, doch wagen wir doch einmal einen Blick auf die Verhältnisse im Land. Gerade von jemandem, der für den Springer-Verlag arbeitet, kommt mir das Heranzitieren journalistischer Standards etwas fragwürdig vor, hält man es im eigenen Haus doch eher nicht so genau damit. Und das die Berichte in deutschen Zeitungen zum großen Teil objektiv sind, wage ich auch zu bezweifeln. Politik, Interessenverbände (vulgo: Lobbyisten) und Werbekunden führen schon lange den Stift in vielen Presseerzeugnissen. Gut, wir haben Meinungsvielfalt und so kann sich der geübte Leser aus den verschiedenen Einzelmeinungen ein recht stimmiges Gesamtbild zusammensetzen, die einzelne Zeitung jedoch hat stets ein ganz eigenes „Geschmäckle“. Schließlich wählen sich die meisten ihre Zeitung auch danach aus, ob diese möglichst effektiv ihr Weltbild bestätigt. Aber so sind wir Menschen nun mal…

Als jemand, der auch eine ganzer Weile journalistisch gearbeitet habe, sehe ich ehrlich kein Problem darin, wenn die Grenzen zwischen „einfachem Bürger“ und „echtem Journalist“ verschwimmen. Wer schreibt, sollte aus meiner Sicht gut lesbare und auch für Nichteingeweihte verständliche Texte fabrizieren und dies möglichst mit dem entsprechenden Fachwissen im Hintergrund. Einem nicht unwesentlichen Teil unserer Mitmenschen fällt es schon schwer, einen geraden Satz zu Papier zu bringen, sie fallen somit als Bürgerredakteure schon einmal aus, es sei denn, die Texte werden noch einmal kostenintensiv von Fachleuten redigiert. Aber in einer Zeitungslandschaft, in der schon bei „seriösen“ Tageszeitungen das Korrekturlesen häufig genug entfällt, ist dies kaum zu erwarten. Vermutlich handhabt die Redaktion der Huffington Post das dann so, dass man anfangs die Artikel kontrolliert und sich dann, wenn man einmal weiß, dass der Schreiber zuverlässig ist, die Artikel ungeprüft veröffentlicht. Was das Fachwissen betrifft, besteht sogar eine Chance, dass die Themen beim „Bürger“ besser aufgehoben sind, immer vorausgesetzt, der kennt sich aus. Denn ein Journalist ist nun mal ein Generalist, er hat von allem Ahnung aber sein Wissen geht nicht allzu tief. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen, Journalisten, die sich schon seit Jahren mit einem Fachgebiet beschäftigen und dort auch den „vollen Durchblick“ haben. Aber deren Arbeit gibt es nicht zum Schnäppchenpreis, weshalb die Billigheimer auf diesen Qualitätsjournalismus verzichten werden. Wer sich besonders für das entsprechende Thema interessiert, der gibt halt auch das Geld für das Druckerzeugnis aus oder bezahlt für den Onlineartikel.

Womit wir beim eigentlichen Problem wären. Freiwillig geben wir Menschen Geld nur für Dinge aus, deren Wert wir schätzen. Ich habe z.B. seit Jahren keine Zeitung mehr abonniert. Die lokalen Druckerzeugnisse empfinde ich als gruselig; Kritisches kommt hier kaum vor, stattdessen wird hier eine Art Hofberichterstattung gepflegt. Ich vermute mal, dass das bei vielen lokal verankerten Zeitungen ähnlich ist, da sich niemand zu weit aus dem Fenster lehnen und sich zum Beispiel mit dem lokalen Abfallverband, einem Großbetrieb oder dem Ministerpräsidenten anlegen will. Die Konsequenz: Alles so schön bunt hier.
Was die großen und gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge betrifft, fühle ich mich von den meisten Zeitungen und Zeitschriften einfach schlecht oder tendenziös informiert. Das beste Beispiel dafür ist der Spiegel, den ich mal anderthalb Jahre gelesen habe. Irgendwann kam der Punkt – ich glaube, es war die Berichterstattung zum 11. September – an dem ich mir gesagt habe: Das kann so nicht stimmen. Wobei sich dieses Thema besonders gut eignet, um ein weiteres Problem unserer Zeitungslandschaft deutlich zu machen: Es gibt eine offizielle Lesart von Ereignissen und nur ganz wenige Medien scheren aus dem Gleichschritt aus und präsentieren ihre eigene Sicht der Dinge. Ein weiterer Grund, für diese Art „Meinungsvielfalt“ kein Geld auszugeben.
Nicht vergessen werden darf zudem, dass es immer weniger Menschen gibt, die sich tatsächlich für das große Ganze interessieren und das hat verschiedene Gründe. Der zum Teil erschreckenden Bildungsstand der Bevölkerung und der zunehmenden medialen Vollverblödung gehören dazu, beides aus meiner Sicht beabsichtige Effekte, um „den Pöbel“ dumm zu halten und ruhig zu stellen. Aber mindestens genauso wichtig ist aus meiner Sicht, dass sich immer mehr Menschen tagtäglich im Existenzkampf befinden und kaum Zeit und Gelegenheit haben, sich mit dem Lesen von Nachrichten zu beschäftigen. Zumal die meisten, mich eingeschlossen, sowieso nicht davon ausgehen, dass sie, wenn sie verstanden haben, wie die Dinge laufen, etwas daran ändern könnten. Aber das wäre auch zu viel verlangt: Die vierte Macht im Staate dient vor allem dazu, den Status Quo zu stabilisieren. Ob diese Art Wohlfühlpresse nun kostenlos ist oder nicht, ist mir eigentlich egal. Oder anders ausgedrückt: Wenn die Huffington Post Springer-Verlag & Co. das Wasser abgräbt, dann werde ich keine Träne weinen. Ich weiß, dass manche sich entsetzt an den Kopf greifen werden aber ich empfehle zur Abwechslung mal Compact zu lesen. Man muss nicht alles glauben, was in dem Magazin steht und vieles ist auch AfD-kompatibel erzkonservativ. Aber immerhin war dort zu lesen, dass die deutschen Geheimdienste die Naziszene hierzulande mit aufgebaut haben und wesentlich in die NSU-Morde verwickelt sind. Die bürgerliche Presse sprach fast unisono von bedauerlichen Fehlern, Missgeschicken und Inkompetenz. Auf diese Art Augenwischerei kann ich gern verzichten.

Ich empfehle unbedingt diesen Film anzuschauen, um sich fundiert über das Thema zu informieren: “Kann nicht sein, was nicht sein darf ?!”

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Sep
16
2013

Komm lass Dich überwachen…
Geschrieben von Peer in Technik, tags: Datensicherheit, Fingerabdruck, iPhone
Es ist immer wieder beeindruckend, zu sehen, was technisch heutzutage alles schon möglich ist. Aber nicht alles was funktioniert, sollte auch Verwendung finden. Beim neuen iPhone 5S mit Touch ID lässt sich das Gerät durch den autorisierten Nutzer per Fingerabdruck entsperren. Genutzt werden kann diese Sicherung auch für den Einkauf per Smartphone, ganz ohne die Eingabe von PINs und Passwörtern. Datenschützer warnen allerdings davor, diese Funktion zu nutzen. Das Hauptargument: Biometrische Daten begleiten uns ein Leben lang und lassen sich nicht ändern, anders als z.B. ein geknackter Account bei einem sozialen Netzwerk.

Hauptsache bequem
Persönlich bin ich schon vor einigen Jahren mit einem ähnlichen Problem in Berührung gekommen. Da machte in meinem etwas abgelegenen Viertel eine Videothek auf und ich dachte: Toll, da kann ich jetzt auch mal interessante Filme ausleihen, ohne erst durch die halbe Stadt fahren zu müssen. Als ich dann die Videothek besuchte, musste ich feststellen, dass es kein Personal gab, sondern nur allerhand „Maschinen“. Die Ausleihe sollte über eine Identifizierung per Fingerabdruck geregelt werden. Da ich ja eher zur Gruppe der „Verschwörungstheoretiker“ gehöre, war mir sofort klar, dass ich dies nicht tun will, denn was bedeutet solch eine Authentifizierung?

Meine Daten, Deine Daten
Benutze ich meinen Fingerabdruck als „Ausweis“, dann muss irgendwo mein „Klarname“ samt Adresse und Fingerscan hinterlegt sein. Das entspricht aus meiner Sicht einer erkennungsdienstlichen Erfassung. Es ist schon schlimm genug, dass die Polizei Dank unserer neuen, „supersicheren“ Ausweise das Recht zu solch einer Maßnahme hat, ich möchte mir aber nicht vorstellen, was in privatwirtschaftlichen Zusammenhängen alles damit geschehen kann. Geht zum Beispiel das Unternehmen pleite oder gibt seine Tätigkeit auf, müssten die Daten theoretisch gelöscht werden. Tatsächlich ist aber zu vermuten, dass sie als Bestandteil des Kapitals einfach weiterverkauft werden. Anders als Akten, die man sichtbar schreddern kann und die dann weg sind, lassen sich von solch einer Datenbank beliebig viele Kopien anfertigen, ohne dass irgendwer etwas merkt. Nicht unwahrscheinlich, dass die Daten dann auch in eher schmutzige Hände kommen. Wenn ich da an Apple denke, würde es mich wundern, wenn die NSA keinen Zugriff auf die Daten hat.

Komm lass Dich überraschen
Wer es noch nicht weiß oder für Science-Fiction hält, dem sei versichert, dass sich aus den Fingerabdruck-Daten auch problemlos künstliche Abdrücke herstellen lassen. Sollte dann mal jemand tot in der Ecke liegen und die Polizei nach dem Verursacher des frühzeitigen Ablebens suchen, dann wird’s haarig. Findet die Ordnungsmacht nämlich Fingerabdrücke am Ort des Geschehens oder vielleicht sogar an einer Tatwaffe, dann ist der Betreffende in Erklärungsnot. Kann er nicht zweifelsfrei nachweisen, dass er zum Todeszeitpunkt des Opfers ganz woanders war, dann atmet er wohl die nächsten Jahre gesiebte Luft oder wird in weniger zivilisierten Ländern gleich selbst vom Leben zum Tode befördert. Und das alles nur für ein bisschen Bequemlichkeit und dafür, ein technisches Gadget zu schützen. „Schöne neue Welt“ sag ich da nur.

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Aug
08
2013

Zalando – ein eigenwilliges Geschäftsmodell
Geschrieben von Peer in Wirtschaft, tags: Zalando
Bei markt-intern findet sich ein interessanter Artikel zum Thema Zalando. Das Unternehmen mit einem Umsatz von einer halben Milliarde Euro zahlt defacto keinerlei Steuern, weil die Bilanz ein dickes Minus aufweist. Auf der anderen Seite kassiert das Unternehmen für seine Logisitikzentren Fördermittel vom Staat.

Ehrlich gesagt finde ich das eine echte Sauerei. Dass ein Geschäft nicht immer sofort Geld einbringt, sondern auch ein paar Jahre Anlauf braucht, OK. Aber wenn etwas in der Größenordnung wie Zalando aufgezogen wird, wo ganz offensichtlich nur der Anspruch besteht, den Markt aufzurollen und sich bestimmte Absatzmärkte zu sichern, dann zählt auch die Argumente Steuern und Arbeitsplätze nicht mehr. Das haben zum Glück mittlerweile auch einige Entscheider begriffen. Zalando wollte im bayerischen Leipheim bei Ulm ein Logistikzentrum errichten, doch erhielt das Unternehmen eine Abfuhr. Begründung: Angestellt würden 80% ungelernte Mitarbeiter, aufgrund der anhaltenden Verluste sei keine Gewerbesteuer zu erwarten und der zu erwartende Verkehr sei den Anwohnern nicht zuzumuten. Eine kluge Entscheidung, wie ich finde, denn solche “Geschäftsmodelle” Marke Samwer Brüder sind darauf angelegt, den kleinen stationären Geschäften und dem mittelständigen Online-Handel das Wasser abzugraben. Vielleicht geht aber auch den Investoren von Zalando zuerst die Luft aus, wenn die nicht mehr bereit sind, immer mehr Geld nachzuschießen. Aus meiner Sicht wäre das die besssere Lösung. Denn wie wir aus der Geschichte wissen, sind Monopole das Ende der freien Marktwirtschaft.

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Jul
29
2013

Der Stärkere gibt nach – Zum seitlichen Mindestabstand beim Überholen
Geschrieben von Peer in Allgemein, tags: Autos, Rad fahren, Rücksichtnahme, Verkehr
Auf Arbeit fahre ich bei diesem Wetter, wann immer es geht, mit dem Fahrrad. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch für mich persönlich von Vorteil, schließlich sitze ich den ganzen Tag vorm Rechner und da kann die Bewegung nicht schaden.
Da ich für den Weg teilweise auch die Straße benutzen muss, weil es keine separaten Radwege gibt, mit anderen Worten: Ich muss mir den verfügbaren Asphalt mit dem motorisierten Individualverkehr sprich Autos teilen. Das ist für mich als nur mäßig geschützter Radfahrer von vornherein eine eher heikle Sache. Mache ich oder der Autofahrer einen Fehler und wir gehen auf Kollisionskurs, dann bin immer ich der Dumme. Ein Blechschaden ist nicht schön aber tut niemandem weh, mein Körper steckt solche Berührungen eher schlecht weg. Was ich damit sagen will: Aus meiner Sicht sollten die Autofahrer besondere Vorsicht walten lassen, denn sie sitzen im schnelleren und stabileren Gefährt (was nicht heißen soll, dass der Radfahrer machen kann, was er will, schließlich gibt es eine StVO).
Ganz besonders kritisch wird es immer beim Überholen. Da scheint ein Großteil der Autofahrer bei der Fahrschule gepennt zu haben. Vom seitlichen Mindestabstand beim Überholen haben sie, zumindest ist dies meine Erfahrung, nichts gehört. Nicht selten rast da ein Fahrzeug im Abstand von 30 Zentimeter und weniger mit 50km/h von hinten an mir vorbei. Müsste ich in solch einer Situation z.B. einem Schlagloch ausweichen, dann wäre ich der Gelackmeierte. Soweit, so unverständlich. Als wäre dies nicht schon schlimm genug, erlebe ich es immer wieder, dass ich auch an Orten auf diese Art und Weise überholt werde, an denen der Autofahrer die Strecke nicht einsehen kann, so an der Kuppe eines Hügels. Was passiert, wenn ihm mitten im Überholvorgang ein Fahrzeug entgegenkommt? Wahrscheinlich zieht er, ohne nachzudenken nach rechts und bügelt mich weg. Pech gehabt.

Den Autofahrern aber allen Verkehrsteilnehmern sei ins Stammbuch geschrieben: Es gibt kein Grundrecht auf freie Fahrt. Wenn ich, wie in oben beschriebener Situation, andere Verkehrsteilnehmer gefährde, dann muss ich eben langsamer fahren und warten. So schwer ist das doch nicht zu verstehen, oder? Der Radfahrer hat übrigens, wenn es keinen Radweg gibt, das gleiche Recht die Straße zu benutzen. Logischerweise und zu Recht wird von ihm erwartet, dass er dabei ebenfalls Rücksicht nimmt und nicht mitten in der Fahrspur rumgondelt oder andere Dinge tut, um absichtlich den Verkehr aufzuhalten. Sicher, es gibt auch die vielbeschrieenen Kampfradler aber anders als bei Rasern im Auto gefährden die sich meist nur selbst. Also bitte erst nachdenken und dann aufs Gas treten. Blech ist stärker als Knochen.

PS: Wer als Autofahrer diskutiert, dass mit seinen Steuern die Straßen gebaut und instandgehalten werden, der lasse sich gesagt sein, dass auch Radfahrer Steuern zahlen und, wie ich, viele von ihnen auch das Problem von beiden Seiten kennen, denn selbstverständlich fahre ich auch Auto. So ein Wechsel der Perspektiven würde Manchem sicher nicht schaden. Und das momentan dem MIV so viel Platz eingeräumt wird und ganze Städte autogerecht wurden, ist kein Naturgesetz. In Zukunft ist zu erwarten, dass alternative Arten der Mobilität (weniger Lärm, Dreck, Platzbeanspruchung) gefördert werden.

PPS: Im Text habe ich meist von dem Autofahrer geschrieben, also männlich. Um mich keine Sexismus-Vorwürfe ausgesetzt zu sehen, erklärte ich an dieser Stelle ausdrücklich, dass nach meiner persönlichen Beobachtung auch, wenn nicht gar überwiegend, Frauen Radfahrer in einem viel zu geringen Abstand überholen.

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Mai
15
2013

3D-Drucker, das Ende des Kapitalismus?
Geschrieben von Peer in Gesellschaft, Technik, tags: 3D-Drucken, Rapid Prototyping
Derzeit erlebt das Thema 3D-Drucker einen ungeahnten Hype. Für mich drückte sich dies zum einen im heute morgen gesendeten Feuilleton auf Deutschlandradio-Kultur aber auch in der Schlusssequenz der gestern auf Arte zu sehenden Dokumentation „Die wilden Wurzeln des World Wide Web“ aus, innerhalb weniger Stunden also gleich zweimal mit dem Thema konfrontiert zu werden.
Das 3D-Druckverfahren kannte ich bereits aus meiner Zeit an der Universität. Dort galt es als Möglichkeit, schnell und unkompliziert auch komplexe Prototypen z.B. Automodelle für die Windkanaltestung herzustellen (Rapid Prototyping) oder Bauteile, die es in dieser Form nicht gibt. Mittlerweile gibt es auch verschiedene andere Anwendungen, die mehr in der Konsumgüterproduktion anzusiedeln sind, wie “gedruckte“ BHs, Kleider, Schuhe…

Wie funktioniert das 3D-Drucken?
Grundsätzlich ist das 3D-Drucken kein allzu geheimnisvolles Verfahren. Man nehme einen Körper X, schneide ihn in viele dünne Scheiben und drucke dann diese Scheiben übereinander. Nimmt man z.B. einen ganz normalen Kegel, so bedeutet dies, dass (fangen wir mal sinnvollerweise am unteren Ende an) lauter immer kleiner werdende Kreise Schicht für Schicht übereinander gedruckt werden, bis zum abschließenden Punkt, der Spitze.
Das hört sich erst einmal simpel an, doch ganz so einfach ist es selbstverständlich nicht. Wichtigste Voraussetzung ist die Modellierung des zu druckenden Produktes. Bei Maschinen- und andere eher regelmäßige Teile gibt es dafür CAD-Programme, da müssen dann „nur noch“ die Daten aufbereitet werden. Wer aber z.B. einen maßgeschneiderten Schuh herstellen will, der braucht dafür u.a. einen räumlichen Scan des zu bekleidenden Fußes. Technisch ist das zwar alles möglich, bis diese Technik allerdings für jeden Kunden verfügbar ist, wird es wohl noch eine Weile dauern. Zudem ist zu erwarten, dass es dann eher Dienstleister gibt, als das jeder Konsument sich selbst so ein Gerät kauft. Hinzu kommt, dass der Scan allein noch gar nichts nützt. Der Schuh muss dann um den Fuß herum modelliert werden, was sicher einige Fähigkeiten erfordert, so einfach wie mit dem Bleistift zeichnen wird dies wohl in absehbarer Zeit auch nicht werden.
Ist dann die Vorlage einmal erstellt, geht es ans Drucken. Das funktioniert erst einmal nicht viel anders als mit Tinte auf Papier. Allerdings wird keine Tinte verwendet, sondern eine aushärtende Flüssigkeit. Das wird in den meisten Fällen ein Kunststoffgemisch sein. D.h., dass sich auf diese Weise grundsätzlich nur synthetische Materialien verarbeiten lassen. Vorstellbar sind daneben auch Stoffe, die sich in einem Lösungsmittel auflösen lassen und an der Luft (oder unter der entsprechenden Atmosphäre) zu einer festen Verbindung reagieren. So ließen sich z.B. auch metallische Körper aufbauen, die dann nachträglich durch sintern oder „brennen“ verfestigt werden könnten. Hier gilt es allerdings eine Schrumpfung zu beachten.

Individuell aber nicht massentauglich
Der Kapitalismus wird von dieser Art der Produktion sicher nicht untergehen, auch wenn dies nicht unbedingt ein Verlust wäre. Als Gründe dafür seien hier aufgeführt:

Es lässt sich nur ein bestimmtes Spektrum an Produkten herstellen, wer z.B. einen Ledergürtel haben will, wird sich keinen aus Kunststoff drucken.
Die Masse an Produkten, die benötigt werden (Schuhe, Kleidung etc.) lässt sich so mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erzeugen.
Die Herstellung ist schlicht und ergreifend zu teuer.
Das 3D-Drucken, das sich in den nächsten Jahren sicher noch ein ganzes Stück weiter entwickeln wird, ist das ideale Verfahren zur Herstellung von Einzelstücken. Dabei ist das Verfahren allerdings kompliziert genug, dass nicht jedermann es beherrschen wird. Es ist deshalb damit zu rechnen, dass sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ein neues Dienstleistungsgewerbe herausbildet, das über die entsprechenden Geräte, Software und das Know-how verfügt und diese interessierten Kunden anbietet. Wenn die Preise auf eine bezahlbares Maß gesunken sind, kann dieses „Handwerk“ sicher auch überleben. Die Produktion von Gütern wird sich dadurch aber nur geringfügig verändern, denn sie bleibt durch die Massengüter bestimmt.

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