Sammelsucht im Internet
Geschrieben von Peer in Internet, Kultur, tags: Digitalfotos, Download Games, Messi, mp3, SammelwutEs gibt viele Dinge, die das Internet kulturell angeblich verschlimmbessert hat. Die Kommunikation sei oberflächlicher geworden, Orthografie und Grammatik und da insbesondere Groß- und Kleinschreibung und Zeichensetzung hätten gelitten, Freundschaften würden durch das massiver „adden“ in sozialen Netzwerken entwertet. Über die Stichhaltigkeit dieser Meinugnen kann man durchaus streiten, muss man aber nicht, da sich sowieso erst auf lange Sicht zeigen wird, welche Effekte von Dauer sind und welche nicht. Was man aber heutzutage schon ganz sicher sehen kann, ist, dass die Menschen dank der unendlichen Weiten des Internets und der quasi unüberschaubaren Anzahl von Angeboten wieder zu Jägern und Sammlern werden. Das beginnt mit dem Sammeln von virtuellen Identitäten und endet mit unüberschaubaren Bibliotheken an mp3s, digitalen Bildern und Download Games. Das kann man selbstverständlich als eine Art Regression betrachten, doch bei genauerem Hinsehen stellt man schnell fest, dass sich etwas Grundlegendes geändert hat. Die Virtualität unserer Sammelgüter wird nicht als bedrückend empfunden und verursacht kein schlechtes Gewissen. Während ein so genannter Messi wahrscheinlich zumindest anfangs noch unter der erstickenden Fülle seiner Objekte und deren Unordnung leidet, knallt der Computermessi seine Festplatten bedenkenlos zu. Wenn der Platz nicht mehr ausreicht, wozu gibt es externe Festplatten oder Speichermedien wie DVDs? Zeit zum Sortieren der ganzen Schätze ist kaum, denn auch hierin unterscheidet sich der Neu-Sammler von seinen Vorfahren. Während die noch Dinge aufhoben, die für sie zumindest einen potentiellen Nutzen hatten, zählt heute die schiere Masse. So sammelte einer meiner Freunde zumindest eine zeitlang eine bestimmte Art an Games, die er dann aber nie bis zum Ende zockte, sondern immer nur antestete. Aus meiner Sicht herausgeworfene Energie, denn entweder ist ein Spiel spannend, dann spiele ich es Zuende oder es lohnt sich nicht aufzuheben.
Vielleicht darf man das Ganze aber auch gar nicht so kritisch bewerten. Nehmen wir zum Beispiel besagten Freund: Auch wenn er die Spiele nicht verwendet, so konserviert er sie doch für die Nachwelt. Vielleicht ist die Menschheit ihm in hundert Jahren einmal dankbar dafür und errichtet zu seinen Ehren ein Museum. Immer vorausgesetzt, die Datenträger sind dann noch physikalisch intakt und irgendwie lesbar. Dass das funktioniert, ist allerdings alles andere als sicher. Und so könnte es uns gehen, wie den Jägern und Sammlern der Vorzeit: Einige Instrumente und Werkzeuge sind noch erhalten, die eigentliche (verderbliche) Sammelware ist weg. Nur, dass man auch heute noch Beeren im Wald findet und mit etwas Geschick ein Reh erlegen kann. Ob später noch irgendwer vor Computern sitzt, dass wissen wir heute noch nicht.
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