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Manchmal glaube ich, die Bahn hat nur zwei Feinde: das Wetter und die Fahrgäste…

In Deutschland ist es derzeit sehr heiß. Vielleicht liegen wir in diesem Jahr ein wenig über den Durchschnittswerten, doch wirklich ungewöhnlich sind Temperaturen über 30°C im Sommer hierzulande nicht. Unerklärlich also, warum die Klimaanlagen der Deutschen Bahn mit diesen äußeren Bedingungen nicht klar kommen. Am Wochenende war es in „3 von 1.400 Zügen“ (man stelle sich vor, eine Fluggesellschaft würde so argumentieren!) zu Szenen wie aus einem Katastrophenfilm gekommen: Menschen lagen fast reglos auf den Gängen, kollabierten oder gerieten in Panik. Einige Passagiere mussten nach der Fahrt sogar zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht werden. Die Erklärung der Bahn: Das Wetter sei schuld. Die Klimaanlagen wären verstopft wurden, die anhaltende Trockenheit und der daraus resultierende Staub seien schuld.
Soweit so schlecht. Wer schon einmal das Vergnügen hatte, mit einem der hochmodernen ICEs zu fahren, der wird auch bei kälterer Witterung bemerkt haben, dass die Luft in den Abteilen alles andere als angenehm ist. Nun bin ich sowieso kein Freund von Klimaanlagen aber ehrlich gesagt, fühle ich mich als zahlender Fahrgast bevormundet, wenn ich nicht einmal ein Fenster aufmachen kann und mich ganz den klimatischen Vorstellungen der Bahnoberen anpassen muss. Aber das ist vielleicht nur mein persönliches mentales Problem. Was ich allerdings nicht akzeptieren kann, ist die Tatsache, dass es offensichtlich keinen Plan B für Situationen wie diese gab und gibt: Was tun wir, wenn bei voll besetztem Zug die Klimaanlage ausfällt. Zumindest hätte man pro Wagen zwei Fenster einbauen können, die sich partiell öffnen lassen, am Anfang und am Ende des Wagens, um einen Luftzug zu erzeugen. Da möchte man gar nicht wissen, was passiert, wenn durch einen Brand giftige Gase entstehen und die Klimaanlage ausfällt. Was passiert dann? Da hilft nur die Scheibe einzuschlagen, was ich übrigens in der im Welt-Artikel beschriebenen Situation gemacht hätte. Ohne Rücksicht auf eventuelle Schadensersatzansprüche der Bahn. Ehrlich gesagt, glaube ich auch nicht, dass die sich das getraut hätten.
Die neuerliche „Panne“ ist nur ein weitere in einer endlosen Folge von kleinen und großen Katastrophen von verwirrten Anzeigentafeln, schwer zu bedienenden Automaten bis hin zum Unglück von Eschede. Ich bin nur Fahrgast, kann deshalb nicht mit einem „Blick hinter Kulissen“ bei der Bahn dienen und etwaige Vorwürfe untermauern. Pro Bahn kann das sicher viel besser. Im Zusammenhang mit den aktuellen Problemen beklagt der Verein auf jeden Fall die zu langen Wartungsintervalle für die offensichtlich anfällige Technik.
Aus meiner Sicht hat die Bahn als sichere und flächendeckende Alternative zum Auto längst ausgedient. Ganz zu schweigen von den horrenden Preiserhöhungen bei gleichzeitiger Reduktion der Leistung, die ich selbst miterleben durfte. Diese Entwicklung ist mit ziemlicher Sicherheit Ergebnis der verfehlten Politik der Bahnspitze. Herr Mehdorn, der in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender den Börsengang des Unternehmens betrieb, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals Regionalbahn gefahren, vielleicht nicht mal ICE. Er hat sich mit Sicherheit nicht unerkannt am „Service Point“ beraten lassen oder am Automaten eine Fahrkarte erworben. Ob sein Nachfolger Rüdiger Grube, ein ehemaliger Auto- und Flugzeugmann, jemals aus dem Auto in den Zug umgestiegen ist, wer weiß? Solange die Bahn weiterhin nur als Wirtschaftsunternehmen gesehen wird, das hauptsächlich Profite abwerfen muss, wird sich nichts ändern. Über die soziale Funktion der Bahn, auch denen Mobilität zu ermöglichen, die sich kein Auto leisten können oder wollen, redet heutzutage sowieso niemand mehr…

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Die Hersteller von Heizungstechnik haben in den letzten Jahren viele neue Entwicklungen für Heizungsanlagen auf den Markt gebracht. Die Heizungsmodernisierung bei Altanlagen bietet noch viel Potenzial.

Der nächste Winter kommt bestimmt. Auch Preiserhöhungen für Öl und Gas lassen sicher nicht lange auf sich warten. Eine Möglichkeit, hier Energie und somit Kosten zu sparen, ist der Einsatz moderner Heizungstechnik bei der Wärmeerzeugung für Warmwasser und die Raumheizung.

Trotzdem zeigen verschiedene Studien und Umfragen der Hersteller von Heizungstechnik und der verschiedenen Bundesämter für den Klima- und Umweltschutz, dass viele Bauherren beim Einsatz von erneuerbaren Energien und bei der Modernisierung ihrer Heizung noch sehr zögerlich sind. Ein Grund dafür sind sicher die hohen Anschaffungskosten für die neue Heizungsanlage. Zwar fördert der Staat derartige Anlagen über KFW-Förderprogramm oder BAFA-Darlehen, doch muss der Anlagenbetreiber trotzdem noch tief in die Tasche greifen und sich nicht selten auf Amortisationszeiten von über zehn Jahren einstellen. Zudem sind die staatlichen Förderprogramme für Viele recht unübersichtlich und bei einigen kann man davon ausgehen, dass sie aufgrund der aktuellen Haushaltslöcher bald gestoppt werden.

Es ist noch nicht so lange her, da konnten sich Bauherren und Betreiber von Heizungsanlagen nur entscheiden, ob sie Öl oder Gas als Energieträger verwenden wollten. Auch hier liegt ein Problem für den zögerlichen Einsatz von modernen Wärmeerzeugungsanlagen. Der Laie und selbst Fachleute können die möglichen Varianten bei der Wärmeerzeugung kaum noch überschauen. Zwar findet man heute fast bei jedem Neubau eine thermische Solaranlage oder auch eine Wärmepumpe aber in den Heizungskellern von älteren Gebäuden arbeiten oft noch echte Decksschleudern und Energiefresser.

Für die Heizungsmodernisierung im Gebäudebestand haben sich die Entwicklungsabteilungen der Hersteller von Heizungstechnik in den letzten Jahren Etliches einfallen lassen. Das Zauberwort heißt Hybridtechnologie. Hier arbeiten mehrere Wärmeerzeugungsanlagen parallel. So kann man eine Solaranlage, eine Wärmepumpe und eine Pelletsheizung miteinander kombinieren. Die Kombination der einzelnen Anlagen erfolgt über Pufferspeicher oder Kombispeicher, die als Energieverteiler und Sammler arbeiten.

Die Zukunft der Heizungsmodernisierung ist vielversprechend: So werden in den kommenden Jahren verstärkt Mini-BHKWs (Blockheizkraftwerke) auf den Markt kommen, die Strom und Wärme parallel erzeugen und so höhrere Wirkungsgrade realisieren. Auch die Brennstoffzelle wird iM Heizungsbreich nicht mehr lange auf sich warten lassen.

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Ich rege mich ja eher selten auf – im fortgeschrittenen Alter werde ich eher ruhiger. Aber was ich heute lesen durfte, ging mir dann doch mächtig gegen den Strich:

Finnland: Koalition der Vernunft stimmt pro Kernenergie

Das Deutsche Atomforum begrüßt das Ergebnis der heutigen Abstimmungen im finnischen Parlament… : ‚All diese Entscheidungen im finnischen Parlament sind das Resultat einer Koalition der Vernunft über Parteigrenzen hinweg. Weitsichtig erkennen die Abgeordneten den Beitrag der Kernenergie für effizienten Klimaschutz und langfristige Versorgungssicherheit an. Auch wenn der Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland nicht zur Debatte steht, ist Finnland für uns ein Vorbild an ideologiefreier Diskussion und nachhaltiger sowie realistischer Betrachtung der Kernenergie’, erklärte Dr. Ralf Güldner, Präsident des Deutschen Atomforums.“

Atomkraft - Nein Danke!

Selbstverständlich ist es richtig, dass weniger Kohlendioxid frei gesetzt wird, wenn Energie nicht durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe, sondern aus Atomkraft erzeugt wird aber das ist auch der einzige Vorteil. Eine Frage, die bis heute noch nicht mit absoluter Sicherheit geklärt ist, ist, was mit den Abfällen passiert, die bei der Kernreaktion zurück blieben. Momentan stehen die in irgendwelchen militärisch gesicherten Hallen rum und warten auf eine „Endlösung“.

Diese Rückstände sind, anders als zum Beispiel Asche bei der Kohleverbrennung wirklich dauerhaft gefährlich. Selbstverständlich sind auch die Verbrennungsrückstände von Kohle nicht völlig harmlos, denn in der Asche können unter anderem Schwermetalle enthalten sein, die, wenn sie ins Grundwasser gelangen, Schaden anrichten. Doch ist diese Gefahr im Großen und Ganzen recht gut beherrschbar, was man bei radioaktivem Müll nicht behaupten kann. Radioaktive Elemente haben Halbwertszeiten von zum Teil mehreren Tausend Jahren, d.h., in dieser Zeit ist die Strahlungsintensität gerade mal auf die Hälfte der Ausgangsintensität gesunken. Ungefährlich ist das Material dann noch lange nicht.
Zudem habe ich auch Null Vertrauen in die Herren von der Atomindustrie. Was passiert, wenn man die unbeobachtet machen lässt, sieht man sehr schön bei der Asse II. „Rinjekippt und verjessen“. Aus den Augen, aus dem Sinn. Und wenn das Ganze doch wieder ans Tageslicht kommt, dann muss der Steuerzahler für die Beseitigung der Schäden aufkommen. Ganz große Klasse, das! Als jemand, der ein wenig Ahnung von Chemie hat, frage ich mich, wie man eigentlich auf die Idee kommen kann, potentiell gefährliche Stoffe in Metallfässern in einem Salzbergwerk zu lagern. Da muss man schon ganz schön bescheuert sein oder sich einen Dreck um die Folgen scheren. „Aber solange kein Wasser eindringt, kann doch nichts passieren.“ Richtig. Aber wer will mit 100-prozentiger Sicherheit die Stabilität geologischer Formationen in den nächsten tausend Jahren vorhersagen? Wobei: In der Asse hätte man das gekonnt – da war eigentlich schon in den 1970er absehbar, dass Wasser eindringen wird.

Kurz und knapp: Atomenergie hat mit Klimaschutz nicht das Geringste zu tun und mit Nachhaltigkeit schon gar nichts. Die „langfristige Versorgungssicherheit“ ist ebenfalls eine Augenwischerei – Uran ist mittlerweile ebenfalls knapp, andere Techniken, die z.B. auf Thorium beruhen, noch längst nicht marktreif. und wahrscheinlich noch gefährlicher.
Die Lösung kann aus meiner Sicht nur heißen: Umstellen auf regenerative Energien, Dezentralisierung der Energieversorgung (was den großen Energieversorgern natürlich nicht passt) und vor allem ENERGIE SPAREN. Letzteres geht vor allem Dank einer Rückführung der immanenten Überproduktion an nutzlosen Konsumgütern. Das Mantra vom ewigen Wachstum muss endlich aufhören!

Wer sich über die dreisten Lügen der Atomlobby direkt beschweren will, der kann die hier tun, beim Verfasser obiger Meldung:

INFORUM Verlags- und Verwaltungsgesellschaft mbH
Informationskreis KernEnergie
Robert-Koch-Platz 4
10115 Berlin

Pressekontakt
Maik Luckow
Tel.: 030 498555-20
presse@kernenergie.de
www.kernenergie.de

Hier mein Schreiben:
Schämen Sie sich eigentlich nicht, solch einen Schwachsinn zu schreiben:
“Das Deutsche Atomforum begrüßt das Ergebnis der heutigen Abstimmungen im finnischen Parlament über zwei Neubau-Anträge für Kernkraftwerke, denn die Abgeordneten erkennen damit die große Bedeutung der Kernkraft für Klimaschutz und Wirtschaftsentwicklung an.”

Es wird endlich Zeit, dass die Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Wahrscheinlich muss aber erst eins in die Luft gehen, bevor sich etwas ändert. Ich hoffe es zwar nicht aber mit der ständigen Verlängerung der Laufzeiten steigen die Chancen für solch einen Supergau.

Mit wenig freundlichen Grüßen

Peer Spektive

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Wer erinnert sich nicht an all die „School shootings“, deren medial einflussreichstes Ereignis das Massaker in Littleton war? Man sollte glauben, dass all dies Unglück langsam aber sicher zu einem Umdenkprozess in den Vereinigten Staaten führt doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Das Oberste Gericht der USA, der Supreme Court hat in einer einschneidenden Entscheidung das Recht der Waffennarren weiter gestärkt. Bisher war es so, dass Kommunen oder Gemeinden selbst entscheiden konnten, ob sie ihren Bürgern erlauben, Waffen zu tragen. Der Richterspruch, der das Verbot von Handfeuerwaffen in Chicago außer Kraft setzt, hebelt diese Selbstständigkeit aus und setzt das Recht des Einzelnen über die Regeln der Gemeinschaft. Der Supreme Court beruft sich dabei auf den „zweiten Verfassungszusatz“, der es jedem Amerikaner erlaubt, Waffen zu besitzen und zu tragen („to keep and bear arms“).

Begrüßt wird das Urteil, das Folgen für die gesamten Vereinigten Staaten haben dürfte, vor allem von der Waffenindustrie und den Fanatikern der National Rifle Association, deren prominentester Vertreter Charlton Heston, mit obigem Statement Eingang in Michael Moores Dokumentation „Bowling For Columbine“ fand: „From my cold dead hands“ – Wenn ihr mir meine Waffe wegnehmen wollt, müsst ihr mich schon töten. Eine Haltung, die ihre Wurzeln in den rauen Anfangstagen der Staaten und im Selbstverständnis vieler Bürger hat, sich selbst verteidigen zu können. Notfalls auch gegen die eigene Regierung, der man gerade im stockkonservativen „bible belt“ wenig Vertrauen entgegen bringt. Für die politishc nicht ganz einflusslose extreme Rechte ist Washington der Sitz der ZOG – zionist occupied government – eine jüdisch unterwanderte Regierung, die die Rechte der „ehrlichen weißen Amerikaner“ beschneiden will. Bei solch einer Gemengelage ist es kein Wunder, dass das Supreme Court im Sinne der Waffenfetischisten entschied.

Dabei gibt es gute Gründe, dafür zu sorgen, dass die Knarren nicht so locker sitzen. Die USA ist in absoluten Zahlen führend im Bezug auf die „Toten durch Schusswaffen“, hinter Südafrika, Brasilien und Kolumbien. Auf die Einwohner bezogen, sieht die Zahl zwar nicht mehr ganz so schlimm aus, doch im Vergleich zu anderen Staaten der „ersten Welt“ steht man auch hier besonders schlecht da. Nun muss nicht jeder Besitzer von Schusswaffen zwangsläufig seine Familie, Arbeitskollegen oder unbeteiligte Mitmenschen auslöschen – die hohe Waffendichte führt jedoch eindeutig dazu, dass von Pistolen, Gewehren & Co. öfter Gebrauch gemacht wird – mit den entsprechenden Folgen. Nicht zu vergessen, all die Unfälle, die durch den unsachgemäßen Umgang mit den gefährlichen Gegenständen tödlich enden. Sicher wird die Gesellschaft auf keinen Fall davon und aus meiner Sicht ist es sinnvoller, in diesem Punkt die „Freiheit“ des Einzelnen zum Wohle der Gemeinschaft einzuschränken. Wie immer geht es dabei um eine Abwägung von Rechtsgütern und das Recht auf Selbstverteidigung ist sicher hoch einzuschätzen. Aber dies lässt sich im Zweifelsfalle auch ohne Waffen bewerkstelligen. Viele Waffen sorgen im Gegenteil eher dafür, dass der Anlass zur Selbstverteidigung öfter gegeben ist, denn mit einer Knarre in der Hand kann selbst ein kleines Kind für einen Erwachsenen zur Gefahr werden. Die Folge ist eine Spirale der Gewalt, wie sie gerade an sozialen Brennpunkten immer wieder zu beobachten ist…

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Wenn Westdeutsche auf Ostdeutsche schauen, dann sehen sie diese vor allem als Ewiggestrige, die ihrem plüschigen DDR-Sozialismus nachtrauern. Angeblich könne sich rund ein Viertel der Ex-DDR-Bürger nicht von der guten alten zeit trennen. Dies zeigt wieder einmal schön ein aktueller Kommentar von Martin Kessler aus der Rheinischen Post.
Als erstes stellt sich mir eine ganz naheliegende Frage: Hat diese Zahlen eigentlich schon einmal jemand ins Verhältnis dazu gesetzt, wie viele Westdeutsche nach dem zweiten Weltkrieg der Meinung waren, dass unter Hitler nicht alles schlecht gewesen sei? Vielleicht ist dieser Anteil an Nostalgikern, die nur die guten Dinge sehen wollen und die schlechten ausblenden ja eine ganz normale menschliche Konstante? Vielleicht sagt der Anteil aber auch etwas darüber aus, für wie viele Menschen sich die Hoffnungen auf Verbesserung nicht erfüllt haben? Vielleicht sind die Ostalgiker vor allem alte Menschen, die einfach mit den Veränderungen nicht mehr zurecht kommen, wie ältere Menschen allgemein mehr Probleme damit haben, mit neuen Lebensumständen klar zu kommen.

Was die meisten „Besserwessis“ übersehen, ist die Tatsache, dass sie im derzeit herrschenden Gesellschaftssystem aufgewachsen sind und somit alle Zeit hatten, sich mit den Gepflogenheiten vertraut zu machen. Auch wurde ihr Charakter entsprechend geprägt. Ältere Ostdeutsche haben oft das Problem, dass die erlernten Verhaltensweisen nicht mehr taugen. Gerade im wirtschaftlichen Bereich sind sie eher zögerlich und unselbstständig. Kein Wunder, dass die Westdeutschen sie für ein bisschen beschränkt halten. Ob die Kritiker allerdings selbst zu einer solchen Anpassungsleistung fähig gewesen wären, diese Frage stellen sie sich wohl eher selten bis gar nicht.

Als eher belustigend in besagtem Kommentar finde ich die Aussage „vom riesigen Wohlstandsgefälle gegenüber dem Westen“. Heute haben wir dieses Wohlstandsgefälle innerhalb der Gesellschaft. Ob das so viel besser ist, wage ich zu bezweifeln. Andererseits ist dem Kommentator wohl auch kaum bewusst, dass nicht wenige Ostdeutsche die kapitalistische Konsumgesellschaft als kalt und maßlos empfinden und sie deshalb ablehnen. Zu Recht, wie ich finde. Die Idee eines „dritten Weges“, die in der Zeit der Wendewirren insbesondere in bürgerbewegten Kreisen umher schwirrte ist Herrn Kessler sicher noch nie gekommen. Es ist aber auch nicht alles gut im Westen.

Regelrecht boshaft ist die Passage, in der die Kosten vorgerechnet werden: „Die Reparatur der schlimmsten Mängel kostete den Westen bis heute mehr als 1,2 Billionen Euro.“ Das ist so nicht richtig, denn die Kosten hat der Deutsche Steuerzahler, also nach der Einverleibung, äh Einheit auch die Ostdeutschen, getragen. Nicht zu reden von den zahllosen westdeutschen Firmen, die vom neuen Absatzmarkt profitierten, nachdem die rentablen Reste der DDR-Volkswirtschaft entweder verhökert oder zerschlagen wurden.

Dass die deutsche Einheit noch nicht wirklich vollzogen ist, ist nicht allein Fehler der Ostdeutschen, der Anteil der Wessis ist mindestens ebenso groß. Es bringt daher nichts, ständig mit dem Finger auf den anderen zu zeigen, vielmehr ist es endlich an der Zeit, die Gräben zu schließen und das sind vor allem soziale Gräben. Das ungerechte Sparprogramm der Bundesregierung macht da aber wenig Hoffnung. In Abwandlung eines Spruches aus einem meiner Lieblingsfilme – „Was tun, wenn’s brennt?“ – möchte ich daher diese Meinungsäußerung mit einem Satz beenden, den sich die Herren von der Rheinischen Post hinter den Spiegel stecken sollten: „Die Grenzen verlaufen längst nicht mehr zwischen Ost und West, sondern zwischen denen, die’s geschafft haben und denen, die es nicht geschafft haben.“

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