Nein, in diesem Artikel soll es nicht um Thilo Sarrazins Thesen und andere dumpfe rassistische Ressentiments gehen, sondern um „eingewanderte“ Pflanzen und Tiere. Denn die könnten durchaus eine Gefahr für die einheimische Flora und Fauna darstellen. Schuld daran, ist wie sollte es anders sein, vor allem mal wieder der Mensch. Forscher der US-Amerikanischen Akademie der Wissenschaften wiesen darauf hin, dass wir jetzt erst die Folgen der Aktivitäten aus dem 19. Jahrhundert zu spüren bekommen und dass wir uns in Zukunft darauf gefasst machen müssen, dass sich noch viel mehr „Ausländer“ bei uns breit machen.
Warum ist das aber so schrecklich – ein paar neue Tier- und Pflanzenarten werden uns schon nicht umbringen? Das mag vielleicht sein, doch können sie unsere Umwelt extrem stark verändern und die sowieso schon im Schwinden begriffene Biodiversität weiter reduzieren. Artenvielfalt – so das deutsche Wort – macht Ökosysteme stabil und sichert so auf lange Sicht unsere Lebensgrundlage. Neue Arten verdrängen alte Arten, wenn sie an die Umgebung besser angepasst sind.
Bevor der Homo Sapiens richtig mobil wurde, verbreiteten sich Pflanzen und Tiere eher langsam. Der Samen, der im Fluss mittrieb, die Herde, die sich aufgrund zu hoher Population einen anderen Lebensraum suchte, Viren und Bakterien, die von Zugvögeln mitgeschleppt wurden. Natürliche Barrieren wie Meere oder hohe Gebirge begrenzten diesen Austausch, einzelne Individuen konnten meist keinen großen Schaden anrichten, da sie sich, falls sie tatsächlich überlebten, nicht vermehren konnten. Oftmals konnten sie sich den neuen Bedingungen auch nicht so gut anpassen und verschwanden recht schnell wieder.
Der Mensch hat diese Prozesse mit seinem Eingreifen in die Natur extrem beschleunigt. Zum einen hat er bewusst Arten eingeführt, wie Mais, Tomaten oder amerikanische Nerze in Europa. Zum anderen hat seine extensive Reisetätigkeit so manch ungebetenen Gast ins Land gebracht. Zu guter letzt verändert der Mensch andauernd seine Umwelt so, dass er die Lebensbedingungen für die eine Art verbessert, für die andere verschlechtert. „Zuwanderern“ wird es so leichter gemacht, in neuen Biotopen Fuß zu fassen, einheimische Arten verschwinden.
Nun könnte man sagen: „Such is life!“, das ist nun mal so und der stärkere setzt sich halt durch. Nur dummerweise ist jede Spezies Teil des sie umgebenden Ökosystems und hält selbiges im Gleichgewicht. Ganz simples Beispiel: Was passiert, wenn die eingeschleppten asiatischen Marienkäfer sich von ihren europäischen Artgenossen nicht nur durch die Anzahl der Punkte unterscheiden, sondern auch dadurch, dass sie (mal angenommen) mit Vorliebe eine bestimmte Art Blattläuse fressen? Diese Art wird dann erheblich dezimiert, während die anderen Arten sich ausbreiten, der Konkurrenz die Nahrung entziehen und so für deren Verschwinden sorgen. Vielleicht hat aber genau diese Art Blattläuse eine wichtige Funktion im Kreislauf de Natur, die nun niemand mehr wahrnimmt. Das System gerät sozusagen aus dem Tritt, wie bei einer beschädigten Maschine werden mit wachsender Laufzeit die Schäden immer größer. Beim Wanderurlaub in Irland durfte ich die zerstörerische Wirkung einer Rhododendron-Art begutachten, die sich innerhalb weniger Jahre auf der Insel ausbreitete und quasi alle anderen Pflanzen verdrängte. Ebenfalls augenfällig: Der chilenische Riesenrhabarber, der sich ungehemmt ausbreitet. Wirklich wirksame Methoden, diese Invasoren zu bekämpfen, gibt es nicht.
Den größten Teil der Neophyten, wie besagten Rhododendron, dürften wir bewusst eingeführt haben. Als Nutzpflanzen wie die Kartoffel oder als Zierpflanzen für unsere Gärten haben wir sie nach Europa gebracht. Manche dieser Pflanzen sind unproblematisch, andere regelrecht eine „Pest“, die uns ernsthafte Probleme verursachen kann. Aus den eingangs erwähnten Forschungsergebnissen lässt sich eigentlich nur eines schließen: Wir sollten so wenig wie möglich fremde Arten einführen und grundsätzlich nur solche, die einen Nutzen für uns haben (z.B. als Nahrungsmittel). Das gilt für Pflanzen ebenso wie für Tiere. So macht z.B. der Waschbär, den es früher nur auf Pelzfarmen gab, seit einiger Zeit der einheimischen Fauna Probleme. In den nächsten Jahren könnten wir die Folgen des unüberlegten Handelns unserer Vorfahren deutlicher zu spüren bekommen, als uns das lieb ist. Wir sollten daher alles dafür tun, dass zukünftige Generationen nicht unter unseren Fehlern leiden müssen.
PS: Wer glaubt, das hier Geschriebene auf die menschliche Art übertragen zu müssen, der besuche bitte einen Arzt, bevor er größeren Schaden anrichtet.
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