Archiv für die Kategorie: “Politik”
Der Herr zu Guttenberg ist bei den Deutschen recht beliebt. Das kam vor allem daher, weil er als Quereinsteiger in den Politikbetrieb so frisch und glaubwürdig wirkte. Mittlerweile ist sein Glanz jedoch etwas verblasst, denn der (noch) amtierende Verteidigungsminister hat negative Schlagzeilen gemacht. Seine Dissertation soll zu nicht unerheblichen Teilen aus nicht gekennzeichneten Zitaten, vulgo Plagiaten, bestehen.
Um vorab Eines klar zu machen: Trotz meiner eher linken Einstellung habe ich kein grundsätzliches Problem mit einem adligen Herren auf dem Ministerposten. Und ich will ihn da auch nicht weg haben, nur weil Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg nicht fehlerfrei ist. Ich frage mich allerdings schon, ob der feine Herr nicht Konsequenzen aus seinem Handeln ziehen sollte.
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Gerade noch herrschte allgemeine Freude in Europa über die politischen Veränderungen in Nordafrika. Jetzt kommen innerhalb einer Woche ein paar Tausend Tunesier übers Mittelmeer und landen auf Lampedusa und sofort ist wieder Schluss mit lustig. „Die Afrikaner überrennen uns“ und der Ruf nach der EU-Grenzagentur Frontex wird laut. Besser ausrüsten, härter durchgreifen, den afrikanischen Staaten helfen, den Flüchtlingsstrom in den Griff zu bekommen… So oder ähnlich heißen die Forderungen.
Machen wir uns nichts vor: Niemand verlässt freiwillig auf einem Boot mit kaum mehr als er am Leib tragen kann, sein Land, immer in der Gefahr, das Ziel nicht zu erreichen und jämmerlich zu ersaufen. Wer diese Strapazen auf sich nimmt, der tut dies, weil er keine Zukunft mehr für sich in seiner Heimat sieht, weil er keine Lust hat, jeden Tag ums nackte Überleben zu kämpfen, wenn andernorts die Menschen geradezu in Luxus leben. Insbesondere die ostdeutschen Leser sollten dies verstehen, denn entgegen der üblichen Darstellungen waren die meisten, die „in den Westen machten“ wohl eher das, was man heutzutage „Wirtschaftsflüchtlinge“ nennt. Unter den politischen Bedingungen haben weniger gelitten als unter dem Alltagsfrust und der Unmöglichkeit, eigene Lebenspläne zu verwirklichen. Wer will es also Tunesiern, Marokkanern, Ägyptern… verübeln, wenn die genauso ticken und ihr Ränzlein schnüren.
Den Politikern fällt in dieser Situation wieder einmal nicht mehr ein, als die Mauer um die „Festung Europa“ höher zu ziehen, doch das wird uns nichts helfen. Was jetzt noch ein paar Tausend sind könnten durchaus auch Hunderttausende oder Millionen werden. Klar können wir einen Großteil des von uns erwirtschafteten Bruttosozialproduktes in die Verstärkung der Küstenwache, Zäune und Grenzkontrollen stecken, doch ist das wirklich sinnvoll?
Es gibt viele Argumente, die dagegen sprechen. Zum einen ein ganz simples, nämlich, dass wir zum Schutz des angesammelten Reichtums ein Stück von unserem Humanismus aufgeben müssten, wenn wir das nicht schon längst getan haben. Denn dass solch eine Einmauerung ohne Gewalt und Tod abgeht, können nur komplett politisch naive Menschen glauben. Zum anderen dürfte es für uns wesentlich billiger sein, wenn wir den Menschen helfen, in ihrer Heimat wieder vernünftig zu leben. Zum Beispiel indem unsere (damit meine ich die der westlichen Welt) Unternehmen sich in Afrika an die gleichen Standards wie hierzulande halten,d ie Herkunftsländer unserer Rohstoffe stärker an den Gewinnen beteiligen oder sich zurückziehen, wir nicht mit der Überproduktion unserer Landwirtschaft regionale Märkte in Afrika kaputt machen oder zum Wohle unserer Industrie korrupte Politiker unterstützen, die ihre Länder ausrauben. Damit wäre wahrscheinlich schon eine ganze Menge getan.
Doch auch das wird nicht alle Probleme lösen – der Klimawandel wird dafür sorgen, dass immer mehr Afrikaner nicht mehr vom Ertrag ihres Bodens leben können werden. Soweit ich es überschauen kann, lässt es sich nicht vermeiden, dass wir enger zusammen rücken, denn die neue Völkerwanderung wird kommen. Wer davor Angst hat, der sollte daran denken, dass unsere Sozialversicherungssysteme gut und gerne „frisches Blut“ vertragen können. Mit anderen Worten: Wir müssen jetzt den Wandel annehmen und gestalten anstelle zu versuchen, den Status Quo aufrecht zu halten. Uns nur die „besten Köpfe“ herauszupicken, wird dabei nicht funktionieren, denn gerade die werden in ihren Heimatländern besonders gebraucht. Wir sollten endlich kapieren, dass die Zeit vorbei ist, in der wir ausschließlich europäische („westliche“) Interessen im Auge behalten können und anfangen, global zu denken…
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Ein Freund hat mir dieses Video geschickt. (Wer sich ein wenig auskennt, sieht, dass es in Leipzig aufgenommen ist.) Mir ist natürlich vollkommen klar, dass es Leute geben wird, die der Meinung sind, dass man “soetwas nicht macht”. Warum eigentlich nicht? Ehrlich gesagt finde ich es sogar ganz schön mutig, sich so zu exponieren, denn eins ist sicher: Manche Leute haben ratz-fatz ein Urteil parat.
Bevor hier aber jemand die Nazi-Keule heraus holt, höre er sich bitte den Text genau an! Hintergrundinformationen zur Band gibt es auf der Steinkind-Website.
Das Lied ist übrigens schon zweieinhalb Jahre alt. Hat also nichts mit Stuttgart 21 zu tun…
PS: Die Musik ist nicht ganz so mein Ding aber der Text ist groß!
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Vor einiger Zeit hatte ich bereits einen kritischen Artikel über die Kirche(n) geschrieben und deren Versuch, in Deutschland das Meinungsbild zu bestimmen. Der Artikel „Vom Weltjudentum gesteuerte Attacke auf Kirche und Papst“ von Reinhard Jellens zeigt ganz konkret, welche demokratiefeindlichen und reaktionären Tendenzen an der Spitze der katholischen Kirche vorherrschen. Intoleranz gegenüber anderen Religionen und Lebensentwürfen sowie die Ablehnung der liberalen Werte unserer westlichen Zivilisation gehören quasi zum „guten Ton“. Hier ist man den viel zitierten islamischen Fundamentalisten viel näher, als man wahrhaben will; doch die Parallelen zwischen den Gotteskriegern sind nicht zu übersehen. Hier wie da hat man für alles Feinde parat, die de Menschen vom Pfad der reinen Lehre abbringen. Selbige müssen selbstverständlich unnachgiebig bekämpft werden. Alles zum Wohle der Menschheit, versteht sich!
Auf einen weiteren Fakt weist der Artikel hin: Die Bedeutung der (katholischen) Kirche ist im Schwinden begriffen. Die zahllosen Skandale der letzten Jahre haben die Zahl ihrer Anhänger deutlich reduziert. Von einer Volkskirche kann nicht mehr die Rede sein. Zwar glauben angeblich noch immer zwei Drittel der Deutschen an einen Gott, durch die katholische Kirche fühlt sich jedoch nur noch ein Bruchteil vertreten.
Traurig für die Gläubigen, die immer noch überzeugt sind, dass die christliche Religion in erster Linie für Liebe und Verständigung eintritt. Fast schon möchte man mit diesen naiven Personen Mitleid haben.
Ich kann den Artikel nur empfehlen, vielleicht ändert der eine oder andere seine Meinung zu den Segnungen des (organisierten) Glaubens ja dadurch. Das Buch des im Artikel interviewten David Berger “Der heilige Schein. Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche” ist sicher auch recht lesenswert.
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Leute, die Dinge ausplaudern, die eigentlich geheim bleiben sollten, sind meist nicht sonderlich beliebt. Ganz besonders dann, wenn das, was da der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, die Mächtigen schlecht dastehen lässt oder ihnen die Geschäfte durchkreuzt. Die aktuelle, weltweit beachtete Veröffentlichung der Website WikiLeaks zu geheimen Botschaften der US-Botschaften, die im Auftrag ihres Außenministeriums u.a. sogar UN-Diplomaten bespitzelten, ist in erster Linie ein Debakel für „die letzte verbliebene Weltmacht“. Und so schimpfen de Offiziellen lautstark über WikiLeaks, dessen Macher Julian Assange und über die undichten Stellen im Allgemeinen.
Selbstverständlich ist es ärgerlich für die US-Diplomatie, dass die so genannten „Cables“ bekannt geworden sind. Denn sie zeichnen ein Bild von den Vereinigten Staaten, die sich noch immer wie eine imperiale Großmacht gebärden. So wird zum Beispiel dem aktuellen deutschen Innenminister Thomas de Maizière attestiert, der habe noch “… eine steile Lernkurve vor sich“. Und warum? Weil der nämlich nicht wie sein Vorgänger Schäuble voll auf US-Linie ist und mal so mir nichts dir nichts nationale Gesetze im Kampf gegen den Terror aushebelt. Dies ist nur ein winziges Beispiel dafür, wie die USA die Welt sieht – nämlich einzig und allein aus der Sicht einer Hegemonialmacht. Und gute Verbündete sind nur diejenigen, die genau das umsetzen, was die Amerikaner für richtig halten. Die ganze Welt wird danach klassifiziert, was für das eigene Überleben notwendig ist, woran man also ein strategisches Interesse hat (z.B. bestimmte HighTech-Produkte aus Deutschland) und die es zu erhalten gilt. Der Rest ist ohne Belang aus US-Perspektive. Sehr eigentümlich, dass diejenigen, die ständig von Globalisierung reden, solch eine eingeschränkte, auf die eigene Nation bezogene Weltsicht pflegen…
Neben allerhand anderen unerhörten Dingen kann man in den entsprechenden Artikeln im Spiegel – eine der großen Medien, die Wikileaks vorab mit den brisanten Informationen bedacht hat – noch eine Sache feststellen: Es gibt in höchsten politischen Kreisen des Landes nicht wenige Denunzianten, die nichts Besseres zu tun haben, als die Amerikaner mit Interna aus dem politischen Betrieb des Landes zu versorgen (Früher hätte man so etwas übrigens als Landesverrat hart bestraft!). Die gleichen Leute, die sich über das unmenschliche Stasi-System echauffieren betätigen sich als Spitzel!
Für mich ist die aktuelle WikiLeak-Veröffentlichung ein weiterer Grund, an der aktuellen Form der Gesellschaft und der hierzulande gepflegten, so genannten Demokratie zu zweifeln. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen, ist es notwendig, dass es immer wieder Leute gibt, die den Mund aufmachen und sagen, wo die Säge klemmt und Plattformen wie WikilLeaks, die diese Informationen allen zugänglich machen…
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