Archiv für die Kategorie: “Politik”
Ein Gespenst geht um in Deutschland und dieses Gespenst heißt Thilo Sarrazin. Nun will ich mit diesem einleitenden Satz die Bedeutung des Herren Bundesbankers und seiner Äußerungen nicht mit denen von Karl Marx und des Kommunistischen Manifestes gleich stellen. Nur dürfte in letzter Zeit kaum Jemand so viel Wirbel verursacht haben, wie der gebürtige Geraer. Dem Verkauf seines Buches „Deutschland schafft sich ab“ dürfte das alles andere als abträglich sein. Rein marketingtechnisch kann der Aufruhr Herrn Sarrzin also nur Recht sein. Das macht seine Thesen aber um keinen Deut besser.
Gelesen habe ich das Buch noch nicht, doch lässt sich z.B. bei Stern.de erfahren, worum es darin geht: Es geht kurz gesagt darum, wie die Muslime Deutschland erobern – und die Deutschen nichts dagegen tun. Nun gut, diesmal sind es also nicht „die Ausländer“ im Allgemeinen, sondern die Muslime, die uns „überfremden“ und uns ihren Lebensstil aufzwingen.
An den Rande gedrängt
Um eins voranzustellen: Ich kann Herr Sarrazins Furcht davor, Fremder im eigenen Land zu sein, ein Stück weit verstehen. Anlässlich einer Veranstaltung war ich einmal in Krefeld und dort trifft man im Stadtzentrum fast kaum noch einen Deutschen. In dieser geballten Form hatte ich das zuvor noch nicht erlebt, nicht einmal in Berlin-Kreuzberg. Das war sehr seltsam, fast schon unangenehm, doch ehrlich gesagt, habe ich mich davon nicht bedroht gefühlt. Auf der anderen Seite möchte ich da auch nicht leben. Nicht, weil ich etwas gegen Ausländer habe, sondern weil es einfach unangenehm ist, der „Außenstehende“ zu sein. Ein Gefühl, das viel „Migranten“, um diesen Ausdruck hier mal zu verwenden, ständig haben, insbesondere die, denen man ihre Herkunft von außerhalb Deutschlands auf den ersten Blick ansieht.
Dank Herrn Sarrazin wird in letzter Zeit wieder viel über Integration gesprochen aber meist nur im Zusammenhang mit der Unwilligkeit von Migranten, sich zu integrieren. Wie bitte aber sollte so eine Integration aussehen? Sollen alle, die hier ins Land kommen Christen werden? Das kann ich als Atheist nicht gutheißen, schließlich haben wir auch die Religionsfreiheit und damit auch die Freiheit von der Religion in unserem Grundgesetz verankert. Schon an diesem naheliegenden Beispiel wird deutlich dass wir uns die Zuwanderer nicht so einfach nach unseren Vorstellungen zurechtbiegen können, denn wer gibt so mir nichts dir nichts seine Glaubensgrundsätze auf. Hinzu kommen noch allerhand kulturelle Unterschiede, wie das Kopftuchtragen – um nur einmal das prominenteste zu nennen. Auch diese Andersartigkeit müssen wir akzeptieren, doch selbstverständlich gilt es, Grenzen zu setzen, wenn diese unseren eigenen Wertevorstellungen zuwider läuft. Frauen in Burkas möchte ich ehrlich gesagt auf deutschen Straßen nicht sehen. Eine Moschee muss ich aber akzeptieren auch wenn die christlichen Fundamentalisten meinen, dies sei der Untergang des Abendlandes. Ehrlich gesagt machen mir diese Leute wesentlich mehr Angst.
Diskutieren wir über unsere Werte
Wobei wir beim eigentlichen Kernproblem der Diskussion wären: Was sind eigentlich „unsere Wertevorstellungen“. Die Frage nach dem „unsere“ würde ich so beantworten: Zum „wir“ zählt jeder deutsche Staatsbürger. Und das schließt auch solche mit „Migrationshintergrund“ ein. (Wer „nur“ dauerhaft hier lebt, kann sich nur schwer in solche Grundsatzdiskussionen einbringen, wohingegen er oder sie z.B. auf kommunaler Ebene Verantwortung übernehmen kann.) Schon innerhalb eines relativ „einheitlichen“ Volkes gibt es zahlreiche verschiedene Vorstellungen darüber, was „richtig“ und was „falsch“ ist, kommen „andersartige“ Menschen hinzu, wird das Spektrum der möglichen Antworten größer. In einer Demokratie muss man in solch einem Fall darum ringen, welche Werte allgemeingültig sind, dass jeder damit leben kann. Problematisch wird es aber auch mit der konkreten Durchsetzung dieser Regeln. Man kann sich u.a. dafür entscheiden, dass es nicht zulässig ist, eine Frau zwangszuverheiraten (was ja übrigens bei uns nicht erlaubt ist), doch wo setzt man da die Grenzen? Ist es unzulässig, dass der Vater der potentiellen Braut befiehlt, den ausgesuchten Ehemann zu heiraten oder muss er sie erst mit körperlicher Gewalt zur Eheschließung zwingen, bevor das Gesetz einschreitet? Wer will und kann den Zwang überprüfen und gegebenenfalls dagegen vorgehen? Hier helfen uns Gesetze allein nicht weiter, hier braucht es das Bewusstsein jedes Einzelnen und den Mut, für entsprechende Vorstellungen auch einzutreten.
Insgesamt ist es viel erfolgsversprechender, demokratische Werte vorzuleben, als mit Bestrafung zu drohen. Dazu ist es absolut notwendig, dass die „Migranten“ auch stärker die Lebenswirklichkeit der Deutschen kennen lernen. Mich würde an dieser Stelle mal interessieren, welcher Leser dieser Zeilen schon einmal einen Ausländer zu sich eingeladen hat? Nehmen wir ein beliebtes Beispiel für „kulturelle Unterscheide“: die Zwangsheirat. Auch in Mitteleuropa hat es eine Weile gedauert, bevor sich solche Ideen wie eine Liebesheirat durchsetzen konnten. Zuvor spielten wirtschaftliche und soziale Auswahlkriterien eine wesentliche Rolle, weshalb die Eltern eine aus ihrer Sicht passende Ehe arrangierten. In Manchen, eher „rückständigen“ Kulturen ist das noch immer so, auch weil diese Variante der Eheschließung das Überleben der Familie sichert. Vielleicht braucht es einfach mehr Zeit, bis der Gedanke, dass dies nicht mehr nötig ist, bei einem eher traditionell ausgerichteten türkischen Mann ankommt. Allzu viel Hoffnungen sollte man aber nicht haben, denn schließlich hat die „Familie“ für diese Menschen noch einen wesentliche höheren Stellenwert als das individuelle Glück. Mit dem Finger auf sie zu zeigen, bringt überhaupt nichts. Solange der „konservative“ Vater keine Gesetze übertritt – und zum Beispiel seine Tochter schlägt – gibt es keinen Grund, ihn zu maßregeln. Schließlich unterwirft sich die Tochter, wenn sie sich unterwirft, freiwillig. Viel sinnvoller erscheint es mir, hier die Frau, die sich den Anforderungen ihrer Familie wiedersetzen will, zu unterstützen, zum Beispiel, indem man ihr hilft, eine Wohnung zu finden. Diese Unterstützung fängt freilich nicht erst an, wenn „Not am Manne“ ist, sondern schon viel früher. So ist es die Pflicht des Staates, dem Mädchen einen Zugang zu Bildung zu ermöglichen und ihr so mehr Möglichkeiten für ihre spätere persönliche Entwicklung zu geben.
Blut oder Boden?
Womit wir bei einem ganz anderen Problem wären, der Schulbildung: Wenn wir an die Diskussionen der letzten zeit denken (Stichwort Rütli-Schule), dann zeigt sich sehr oft, dass es eben kein ethnisches oder gar genetisches Problem (wie Thilo Sarrazin es gern hätte) ist, wenn Menschen von Aufstiegschancen ausgeschlossen sind. In keinem anderen europäischen Land ist der Schulabschluss eines Kindes so abhängig vom sozialen Hintergrund der Eltern. Diesbezüglich ist festzustellen, dass im Westen aber auch im Osten viele Ausländer als einfache Arbeiter nach Deutschland gekommen sind. Sie haben dann z.B. in den typischen Arbeitersiedlungen gelebt, wo man selbstverständlich unter sich ist – das ist bei deutschen Arbeitern auch nicht anders. Aus diesem Milieu hat man es, wie die einheimischen Kollegen nicht wirklich herausgeschafft. Und die, denen ein „Bildungsaufstieg“ gelungen ist, die haben, wie erst kürzlich bei der Diskussion um die anonymisierte Bewerbung wieder deutlich wurde, immer noch mehr Probleme einen Job zu bekommen als ein Deutscher mit vergleichbarem Abschluss. Wen wundert es eigentlich, wenn bei vielen Migranten in zweiter oder dritter Generation, die zum großen Teil deutsche Staatsbürger sind, Frust aufkommt und man meint, dass man ohne die Mehrheitsgesellschaft und deren Regeln besser lebt? Dass man sich auf “alte Werte” – in diesem Fall z.B. den Isalm – zurück besinnt oder gar eine religiös-politische Radikalisierung einsetzt? Wer wundert sich da über Parallelgesellschaften? Und gibt es die nicht auch bei den „bildungsfernen Schichten“ gebürtiger Deutscher? Ist das Ganze nicht eher ein soziales als ein ethnisches Problem?
Kommen wir zurück zu Herrn Sarrazin – übrigens ein urdeutscher Name, wie man meinen möchte. Ich kann und möchte nicht ausschließen, dass es „integrationsunwillige Ausländer“ gibt. Es ist aber in den vergangenen Jahrzehnten auch schon viel zu viel schief gelaufen, so dass es nicht verwundert, dass die „Migranten“ aufmüpfig werden. Die Aufgabe der Mehrheitsgesellschaft sollte es sein, auf sie zuzugehen und die zu stärken, die auf der Grundlage des für alle deutschen Staatsbürger bindenden Grundgesetzes ein friedliches Zusammenleben anstreben. Nur so lassen sich extremistische Strömungen zurückdrängen. Auf die vermeintlich Schwächeren einzuschlagen, so wie es uns auf unwürdige Art und Weise gerade unsere französischen Nachbarn mit den Roma vorführen, ist immer der einfachste Weg. Integration bedeutet viel Arbeit und kurzfristige Erfolge sind nicht zu erwarten. Und nicht zuletzt heißt es, die gesamt Gesellschaft für alle Menschen gerechter zu machen, dann hört auch der Neid gegenüber den angeblich zu Unrecht bevorzugten Ausländern auf.
Thilo Sarrazins Auslassungen zu genetischen Konstanten bei Juden etc. ist hingegen ein Griff in die dunkelste Kiste an Ressentiments. Er sagt damit nichts Anderes, als dass „die Deutschen“ und „die Ausländer“ einfach nicht zusammenpassen, quasi biologisch. Herr Goebbels hätte an solchen Aussagen seine wahre Freude gehabt. Doch machen wir uns doch nichts vor: die Deutschen sind längst kein „blutreines“ Volk mehr, auch wenn die Nationalsozialisten das gern so gehabt hätten und deren geistige Nachfolger dies immer noch als Ideal propagieren. Sarrazins Vorfahren kam als von der französischen katholischen Kirche verfolgte Hugenotten nach Preußen. Im 17. Jahrhundert wanderten ihrerseits zahllose Deutsche nach Nordamerika aus. Momentan ist Deutschland halt ein beliebtes Zuwanderungsland, weil es sich hier ganz gut leben lässt. Aus meiner Sicht ist auch noch genug Platz hier für Menschen, die anderswo Probleme oder keine Entwicklungschancen haben. Warum sollten sie also nicht hierher kommen? Das „deutsche Blut“ kann davon nur aufgefrischt werden…
Fazit
Um es abschließend noch einmal klar zu stellen: Unsere Gesellschaft wird zunehmend ungerechter, der gesellschaftliche Reichtum liegt in der Hand einiger weniger, der Rest schaut in die Röhre. Wer oben ist, sieht zu, dass er dort bleibt und Niemand von unten nachrückt. In solch einer Situation ist es immer schön, wenn man einen Sündenbock hat, der sich zu allem Überfluss auch noch äußerlich und kulturell vom „Durchschnittsbürger“ unterscheidet. Solange es Jemanden gibt, der unter mir steht, geht es mir gut – ein uralter menschlicher Charakterfehler. Thilo Sarrazin und seine Thesen haben wieder einmal gezeigt, dass dieser nicht die Schwäche von wenigen „Verführten“ ist, sondern ein allgemeines Problem aus der Mitte der Gesellschaft.
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Über den eigentlichen Vorfall bei der Loveparade in Duisburg muss ich an dieser Stelle sicher nichts mehr schreiben – 21 Menschen starben bei einer Massenpanik in einem Tunnel. Dass jetzt nach den Ursachen für die Katastrophe gesucht wird, ist mehr als verständlich. Beobachtet man allerdings die jetzige Diskussion, so muss man konstatieren, dass da einiges schief läuft.
Schnell stand Rainer Schaller als Veranstalter der Loveparade im Zentrum der Kritik. Ehrlich gesagt, sehe ich da sein klein wenig anders: Die Schuld verteilt sich auf zahllose Schultern. Da sind zum einen die Lokalpolitiker, allen voran Oberbürgermeister Adolf Sauerland, die die Veranstaltung in ihrer Stadt haben wollten. Sieht ja auch gut aus, wenn man Kulturhauptstadt ist, noch solch eine gigantische Veranstaltung im Portfolio zu haben. Nur gibt es die selbstverständlich nicht umsonst. Als aller erstes bedarf es eines geeigneten Geländes. Und da hatte Duisburg nur ein altes Bahngelände zu bieten, unaufgeräumt, abgeschlossen und kaum ausreichend für die zu erwartende Anzahl an Besuchern. Kostenlose Großveranstaltungen unter freiem Himmel haben das grundlegende Problem, dass nur schwer absehbar ist, wie viele Menschen dem Ruf zur Party folgen. Ist das Wetter gut, platzt das Gelände aus allen Nähten, bei schlechtem Wetter verirren sich nur wenige hin. Im Sommer und im Ballungszentrum Ruhrgebiet konnten die Verantwortlichen eher davon ausgehen, dass die Zuschauerzahl recht hoch ausfällt. Das Gelände hätte also von vornherein sinnvollerweise größer ausgelegt werden können, um Reservekapazitäten zu haben. Ein Grundstück, auf dem vielleicht 300-400.000 Menschen Platz finden, ist ungeeignet wenn man die doppelt, wenn nicht gar dreifache Menge erwartet. Im Zweifelsfalle muss man sich überlegen, wohin man de „überschüssigen Gäste“ ableitet, um den Druck vom Veranstaltungsort zu nehmen. All dies ist scheinbar nicht passiert.
Als Jemand, der gelegentlich auch zu Großkonzerten unterwegs ist und selbst kleine veranstaltet, ist mir absolut fraglich, wie die Veranstalter auf die Idee kommen konnten, nur einen Zugang zum Gelände freizugeben, zudem ein hundert Meter langer Tunnel, in dem sich auch noch ein- und ausströmende Besucher begegnen. Da muss ich kein Fachmann sein, um zu wissen, dass das schief geht. Warnungen gab es ja genügend vorab.
Doch ist diese Fehlplanung Herrn Schaller anzulasten? Nicht wirklich, denn Polizei und Feuerwehr haben das Gelände so freigegeben. Sogar ein Panikforscher gab sein Urteil ab, das nicht hieß: So kann man das nicht machen! Was sollte ein Veranstalter mehr tun, als sich von allen, die offensichtlich Ahnung von der Materie haben, ein Urteil einzuholen? War es der Druck aus der Politik, der die „Sicherheitsorgane“ und den Experten ihre Bedenken vergessen ließen? Darüber kann ich an dieser Stelle nur spekulieren. Was wäre passiert, wenn die Polizei gesagt hätte: „Wir können die Veranstaltung unter diesen Umständen nicht absichern“ oder die Feuerwehr die Auflagen so erhöht hätte, dass entweder die Sicherheit gewährleistet oder die Veranstaltung abgesagt worden wäre? Eigentlich wäre das ihre Pflicht gewesen. Vielleicht hätte es für Duisburg einen kleinen Imageschaden gegeben, 21 Menschen wären jetzt aber höchstwahrscheinlich noch am Leben.
Herrn Schaller kann man aus meiner Sicht nur eins vorwerfen: Selbstüberschätzung! Erfolgreich ein Fitness-Imperium aufzubauen, ist eine Sache, eine Großveranstaltung dieser Dimension auszurichten, eine andere. Eigentlich hätte auch er merken müssen, dass die ganze Geschichte aus dem Ruder läuft. Aber so sind die Menschen nun mal; sie denken stets: „Es wird schon alles gut gehen“. Tut es auch meistens aber eben nicht immer. Diese Erkenntnis haben in Duisburg einige Technofans mit dem Leben bezahlt…
Im Nachgang ist zu befürchten, dass die Politik, die maßgeblich an der Katastrophe beteiligt war, sich für schärfere Gesetze stark machen wird und Großveranstaltungen schärfer als bisher unter die Lupe nimmt. Doch es ist so wie in den meisten Fällen, wenn profilierungssüchtige Volksvertreter nach Gesetzesverschärfungen schreien: Das Problem sind nicht die Gesetze, sondern ihre Anwendung! Solange die durch zahllose Ausnahmeregelungen ausgehebelt sowie absehbare Probleme wegdiskutiert werden und niemand den Mut hat, notwendige aber unpopuläre Entscheidungen zu treffen (z.B. durch Absage der Loveparade), werden sich solche Katastrophen wiederholen.
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Ich rege mich ja eher selten auf – im fortgeschrittenen Alter werde ich eher ruhiger. Aber was ich heute lesen durfte, ging mir dann doch mächtig gegen den Strich:
„Finnland: Koalition der Vernunft stimmt pro Kernenergie
Das Deutsche Atomforum begrüßt das Ergebnis der heutigen Abstimmungen im finnischen Parlament… : ‚All diese Entscheidungen im finnischen Parlament sind das Resultat einer Koalition der Vernunft über Parteigrenzen hinweg. Weitsichtig erkennen die Abgeordneten den Beitrag der Kernenergie für effizienten Klimaschutz und langfristige Versorgungssicherheit an. Auch wenn der Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland nicht zur Debatte steht, ist Finnland für uns ein Vorbild an ideologiefreier Diskussion und nachhaltiger sowie realistischer Betrachtung der Kernenergie’, erklärte Dr. Ralf Güldner, Präsident des Deutschen Atomforums.“

Selbstverständlich ist es richtig, dass weniger Kohlendioxid frei gesetzt wird, wenn Energie nicht durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe, sondern aus Atomkraft erzeugt wird aber das ist auch der einzige Vorteil. Eine Frage, die bis heute noch nicht mit absoluter Sicherheit geklärt ist, ist, was mit den Abfällen passiert, die bei der Kernreaktion zurück blieben. Momentan stehen die in irgendwelchen militärisch gesicherten Hallen rum und warten auf eine „Endlösung“.
Diese Rückstände sind, anders als zum Beispiel Asche bei der Kohleverbrennung wirklich dauerhaft gefährlich. Selbstverständlich sind auch die Verbrennungsrückstände von Kohle nicht völlig harmlos, denn in der Asche können unter anderem Schwermetalle enthalten sein, die, wenn sie ins Grundwasser gelangen, Schaden anrichten. Doch ist diese Gefahr im Großen und Ganzen recht gut beherrschbar, was man bei radioaktivem Müll nicht behaupten kann. Radioaktive Elemente haben Halbwertszeiten von zum Teil mehreren Tausend Jahren, d.h., in dieser Zeit ist die Strahlungsintensität gerade mal auf die Hälfte der Ausgangsintensität gesunken. Ungefährlich ist das Material dann noch lange nicht.
Zudem habe ich auch Null Vertrauen in die Herren von der Atomindustrie. Was passiert, wenn man die unbeobachtet machen lässt, sieht man sehr schön bei der Asse II. „Rinjekippt und verjessen“. Aus den Augen, aus dem Sinn. Und wenn das Ganze doch wieder ans Tageslicht kommt, dann muss der Steuerzahler für die Beseitigung der Schäden aufkommen. Ganz große Klasse, das! Als jemand, der ein wenig Ahnung von Chemie hat, frage ich mich, wie man eigentlich auf die Idee kommen kann, potentiell gefährliche Stoffe in Metallfässern in einem Salzbergwerk zu lagern. Da muss man schon ganz schön bescheuert sein oder sich einen Dreck um die Folgen scheren. „Aber solange kein Wasser eindringt, kann doch nichts passieren.“ Richtig. Aber wer will mit 100-prozentiger Sicherheit die Stabilität geologischer Formationen in den nächsten tausend Jahren vorhersagen? Wobei: In der Asse hätte man das gekonnt – da war eigentlich schon in den 1970er absehbar, dass Wasser eindringen wird.
Kurz und knapp: Atomenergie hat mit Klimaschutz nicht das Geringste zu tun und mit Nachhaltigkeit schon gar nichts. Die „langfristige Versorgungssicherheit“ ist ebenfalls eine Augenwischerei – Uran ist mittlerweile ebenfalls knapp, andere Techniken, die z.B. auf Thorium beruhen, noch längst nicht marktreif. und wahrscheinlich noch gefährlicher.
Die Lösung kann aus meiner Sicht nur heißen: Umstellen auf regenerative Energien, Dezentralisierung der Energieversorgung (was den großen Energieversorgern natürlich nicht passt) und vor allem ENERGIE SPAREN. Letzteres geht vor allem Dank einer Rückführung der immanenten Überproduktion an nutzlosen Konsumgütern. Das Mantra vom ewigen Wachstum muss endlich aufhören!
Wer sich über die dreisten Lügen der Atomlobby direkt beschweren will, der kann die hier tun, beim Verfasser obiger Meldung:
INFORUM Verlags- und Verwaltungsgesellschaft mbH
Informationskreis KernEnergie
Robert-Koch-Platz 4
10115 Berlin
Pressekontakt
Maik Luckow
Tel.: 030 498555-20
presse@kernenergie.de
www.kernenergie.de
Hier mein Schreiben:
Schämen Sie sich eigentlich nicht, solch einen Schwachsinn zu schreiben:
“Das Deutsche Atomforum begrüßt das Ergebnis der heutigen Abstimmungen im finnischen Parlament über zwei Neubau-Anträge für Kernkraftwerke, denn die Abgeordneten erkennen damit die große Bedeutung der Kernkraft für Klimaschutz und Wirtschaftsentwicklung an.”
Es wird endlich Zeit, dass die Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Wahrscheinlich muss aber erst eins in die Luft gehen, bevor sich etwas ändert. Ich hoffe es zwar nicht aber mit der ständigen Verlängerung der Laufzeiten steigen die Chancen für solch einen Supergau.
Mit wenig freundlichen Grüßen
Peer Spektive
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Wer erinnert sich nicht an all die „School shootings“, deren medial einflussreichstes Ereignis das Massaker in Littleton war? Man sollte glauben, dass all dies Unglück langsam aber sicher zu einem Umdenkprozess in den Vereinigten Staaten führt doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Das Oberste Gericht der USA, der Supreme Court hat in einer einschneidenden Entscheidung das Recht der Waffennarren weiter gestärkt. Bisher war es so, dass Kommunen oder Gemeinden selbst entscheiden konnten, ob sie ihren Bürgern erlauben, Waffen zu tragen. Der Richterspruch, der das Verbot von Handfeuerwaffen in Chicago außer Kraft setzt, hebelt diese Selbstständigkeit aus und setzt das Recht des Einzelnen über die Regeln der Gemeinschaft. Der Supreme Court beruft sich dabei auf den „zweiten Verfassungszusatz“, der es jedem Amerikaner erlaubt, Waffen zu besitzen und zu tragen („to keep and bear arms“).
Begrüßt wird das Urteil, das Folgen für die gesamten Vereinigten Staaten haben dürfte, vor allem von der Waffenindustrie und den Fanatikern der National Rifle Association, deren prominentester Vertreter Charlton Heston, mit obigem Statement Eingang in Michael Moores Dokumentation „Bowling For Columbine“ fand: „From my cold dead hands“ – Wenn ihr mir meine Waffe wegnehmen wollt, müsst ihr mich schon töten. Eine Haltung, die ihre Wurzeln in den rauen Anfangstagen der Staaten und im Selbstverständnis vieler Bürger hat, sich selbst verteidigen zu können. Notfalls auch gegen die eigene Regierung, der man gerade im stockkonservativen „bible belt“ wenig Vertrauen entgegen bringt. Für die politishc nicht ganz einflusslose extreme Rechte ist Washington der Sitz der ZOG – zionist occupied government – eine jüdisch unterwanderte Regierung, die die Rechte der „ehrlichen weißen Amerikaner“ beschneiden will. Bei solch einer Gemengelage ist es kein Wunder, dass das Supreme Court im Sinne der Waffenfetischisten entschied.
Dabei gibt es gute Gründe, dafür zu sorgen, dass die Knarren nicht so locker sitzen. Die USA ist in absoluten Zahlen führend im Bezug auf die „Toten durch Schusswaffen“, hinter Südafrika, Brasilien und Kolumbien. Auf die Einwohner bezogen, sieht die Zahl zwar nicht mehr ganz so schlimm aus, doch im Vergleich zu anderen Staaten der „ersten Welt“ steht man auch hier besonders schlecht da. Nun muss nicht jeder Besitzer von Schusswaffen zwangsläufig seine Familie, Arbeitskollegen oder unbeteiligte Mitmenschen auslöschen – die hohe Waffendichte führt jedoch eindeutig dazu, dass von Pistolen, Gewehren & Co. öfter Gebrauch gemacht wird – mit den entsprechenden Folgen. Nicht zu vergessen, all die Unfälle, die durch den unsachgemäßen Umgang mit den gefährlichen Gegenständen tödlich enden. Sicher wird die Gesellschaft auf keinen Fall davon und aus meiner Sicht ist es sinnvoller, in diesem Punkt die „Freiheit“ des Einzelnen zum Wohle der Gemeinschaft einzuschränken. Wie immer geht es dabei um eine Abwägung von Rechtsgütern und das Recht auf Selbstverteidigung ist sicher hoch einzuschätzen. Aber dies lässt sich im Zweifelsfalle auch ohne Waffen bewerkstelligen. Viele Waffen sorgen im Gegenteil eher dafür, dass der Anlass zur Selbstverteidigung öfter gegeben ist, denn mit einer Knarre in der Hand kann selbst ein kleines Kind für einen Erwachsenen zur Gefahr werden. Die Folge ist eine Spirale der Gewalt, wie sie gerade an sozialen Brennpunkten immer wieder zu beobachten ist…
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Wenn Westdeutsche auf Ostdeutsche schauen, dann sehen sie diese vor allem als Ewiggestrige, die ihrem plüschigen DDR-Sozialismus nachtrauern. Angeblich könne sich rund ein Viertel der Ex-DDR-Bürger nicht von der guten alten zeit trennen. Dies zeigt wieder einmal schön ein aktueller Kommentar von Martin Kessler aus der Rheinischen Post.
Als erstes stellt sich mir eine ganz naheliegende Frage: Hat diese Zahlen eigentlich schon einmal jemand ins Verhältnis dazu gesetzt, wie viele Westdeutsche nach dem zweiten Weltkrieg der Meinung waren, dass unter Hitler nicht alles schlecht gewesen sei? Vielleicht ist dieser Anteil an Nostalgikern, die nur die guten Dinge sehen wollen und die schlechten ausblenden ja eine ganz normale menschliche Konstante? Vielleicht sagt der Anteil aber auch etwas darüber aus, für wie viele Menschen sich die Hoffnungen auf Verbesserung nicht erfüllt haben? Vielleicht sind die Ostalgiker vor allem alte Menschen, die einfach mit den Veränderungen nicht mehr zurecht kommen, wie ältere Menschen allgemein mehr Probleme damit haben, sich an neue Lebensumständen anzupassen.
Was die meisten „Besserwessis“ übersehen, ist die Tatsache, dass sie im derzeit herrschenden Gesellschaftssystem aufgewachsen sind und somit alle Zeit hatten, sich mit den Gepflogenheiten vertraut zu machen. Auch wurde ihr Charakter entsprechend geprägt. Ältere Ostdeutsche haben oft das Problem, dass die erlernten Verhaltensweisen nicht mehr taugen. Gerade im wirtschaftlichen Bereich sind sie eher zögerlich und unselbstständig. Kein Wunder, dass die Westdeutschen sie für ein bisschen beschränkt halten. Ob die Kritiker allerdings selbst zu einer solchen Anpassungsleistung fähig gewesen wären, diese Frage stellen sie sich wohl eher selten bis gar nicht.
Als eher belustigend in besagtem Kommentar finde ich die Aussage „vom riesigen Wohlstandsgefälle gegenüber dem Westen“. Heute haben wir dieses Wohlstandsgefälle innerhalb der Gesellschaft. Ob das so viel besser ist, wage ich zu bezweifeln. Andererseits ist dem Kommentator wohl auch kaum bewusst, dass nicht wenige Ostdeutsche die kapitalistische Konsumgesellschaft als kalt und maßlos empfinden und sie deshalb ablehnen. Zu Recht, wie ich finde. Die Idee eines „dritten Weges“, die in der Zeit der Wendewirren insbesondere in bürgerbewegten Kreisen umher schwirrte ist Herrn Kessler sicher noch nie gekommen. Es ist aber auch nicht alles gut im Westen.
Regelrecht boshaft ist die Passage, in der die Kosten vorgerechnet werden: „Die Reparatur der schlimmsten Mängel kostete den Westen bis heute mehr als 1,2 Billionen Euro.“ Das ist so nicht richtig, denn die Kosten haben die deutschen Steuerzahler, also nach der Einverleibung, äh Einheit auch die Ostdeutschen, getragen. Nicht zu reden von den zahllosen westdeutschen Firmen, die vom neuen Absatzmarkt profitierten, nachdem die rentablen Reste der DDR-Volkswirtschaft entweder verhökert oder zerschlagen wurden.
Dass die deutsche Einheit noch nicht wirklich vollzogen ist, ist nicht allein Fehler der Ostdeutschen, der Anteil der Wessis ist mindestens ebenso groß. Es bringt daher nichts, ständig mit dem Finger auf den anderen zu zeigen, vielmehr ist es endlich an der Zeit, die Gräben zu schließen und das sind vor allem soziale Gräben. Das ungerechte Sparprogramm der Bundesregierung macht da aber wenig Hoffnung. In Abwandlung eines Spruches aus einem meiner Lieblingsfilme – „Was tun, wenn’s brennt?“ – möchte ich daher diese Meinungsäußerung mit einem Satz beenden, den sich die Herren von der Rheinischen Post hinter den Spiegel stecken sollten: „Die Grenzen verlaufen längst nicht mehr zwischen Ost und West, sondern zwischen denen, die’s geschafft haben und denen, die es nicht geschafft haben.“
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