Archiv für die Kategorie: “Politik”

Fast schon hatten wir es vergessen, dass der weltweite Terrorismus unseren westlichen Lebensstil bedroht. Bevor es aber soweit kommen konnte, macht die Meldung von einem verhinderten Bombenanschlag auf ein US-Flugzeug Schlagzeilen. Ein Doppelagent, der im Jemen ins Terrornetzwerk Al-Kaida eingeschleust wurden war, ließ die Bombe – zum Glück nur im übertragenen Sinne – platzen.

Als alter Verschwörungstheoretiker fällt es mir einigermaßen schwer zu glauben, dass sich das alles so zugetragen hat, wie uns die CIA weiß machen will. Hinzu kommt, dass Bundespolizei (FBI) und der Geheimdienst nun unisono fordern, dass ihre Überwachungsbefugnisse ausgebaut werden sollten, denn nur so ließen sich auch weiterhin Anschläge vermeiden. Der Patriot Act genügt den professionellen Schnüfflern längst nicht mehr. Wenn ich dann noch höre, dass der saudi-arabische (!) Geheimdienst ebenfalls in die Sache verwickelt ist, dann werde ich noch hellhöriger. Ein Großteil der Terroristen des 11. September kam aus dem Land, das seinerseits dafür bekannt ist, islamistische Bestrebungen in der ganzen Region zu unterstützen.

Sehr seltsam ist zudem, dass die USA kurz zuvor das Tagebuch Osama bin Ladens veröffentlichten und die Terrortruppe Al-Kaida, als deren „Führer“ der bärtige Saudi galt, für zerschlagen erklärte. Nun rudert man also zurück und lässt den Springteufel wieder aus dem Kästchen: „Buh! Sehet, ich bin noch da.“ Und das, obwohl die jetzt bekannt gewordene Aktion schon im April stattfand.

Nun könnte man das Ganze auch für eine reine Wahlkampfinszenierung halten, mittels derer Obama den konservativen Wählern glaubhaft machen will, dass er nicht nachlässt in seinem Kampf gegen die Feinde Amerikas. Doch das ist nur die eine Hälfte der Wahrheit. Die andere ist, dass der „war on terrorism“ weiter am Laufen gehalten werden soll, denn dies bedeutet, dass Bürgerrechte eingeschränkt, unliebsame Personen aus dem Verkehr gezogen und weiterhin immense Militärausgaben gerechtfertigt werden können. Damit lässt sich die Macht der herrschenden Eliten verfestigen und die einfachen US-Bürger – und mit ihnen auch wir als Nato-Partnerland – zahlen dafür, dass diese sich weiter dumm und dämlich verdienen und gleichzeitig eine Neuaufteilung der Welt betreiben.

Der islamische Terrorismus ist sicher nicht ungefährlich, die Entwicklung innerhalb der so genannten westlichen Demokratien macht mir persönlich aber viel mehr Angst. Der aktuelle „Bombenerfolg“ des US-Geheimdienstes ist kaum ein Grund zum Feiern. Die Macht dieser unkontrolliert und oftmals illegal arbeitenden Organsation wird dadurch nur weiter wachsen.

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In letzter Zeit ist zu beobachten, dass die etablierten Parteien von links bis rechts sich auf die Piraten einschießen. Aktuell sind gerade der Umgang mit Mitgliedern mit Rechtsaußen-Weltbild und die Stellung der Frau in der Gesellschaft Angriffspunkte der Kritiker. Schön reden will ich die Ausrutscher mancher Freibeuter nicht aber ich glaube, das Problem liegt weniger bei der Piraten – sondern vielmehr bei den anderen Parteien. Die wollen einfach nicht einsehen, dass die Damen und Herren unter schwarzer Flagge nicht unbedingt dafür gewählt werden, weil sie das tollste Programm oder Antworten auf alle gesellschaftlich relevanten Fragen haben, sondern weil sie eben keine Politiker sind. All diese Visagen, die wir schon seit Jahrzehnten sehen, die heute dies und morgen jenes erzählen und uns am Ende „The Best of Schlechtest“ als alternativlos verkaufen, all diese Abbeter des Wachstumsmantras, all diese Vertreter der marktkonformen Demokratie kann und will niemand mehr sehen. Lieber einen Dilettant mit Herz und Hirn als solch einen substanzlosen Politprofi wie Profalla, einen Möchtegern-Volkstribun wie Seehofer oder einen mitleidtriefenden Kurt Beck, der vor kurzem in einer Talkshow salbaderte, wie schwer es die entlassenen Schleckermitarbeiterinnen haben und dass man die doch nicht im Stich lassen könne. Dabei geht es nie um die einfachen Arbeitsbienen, sondern immer nur um die Königinnen und Könige, die in erster Linie ihre Pfründe sichern wollen.
Selbst wenn die Piraten kein einziges sinnvolles Vorhaben auf dem Programm stehen hätten, selbst wenn sie ihre Zeit im Parlament nur mit Sudoku verplempern würden, selbst dann sind sie noch eine Bereicherung für unsere Demokratie, denn die etablierten Parteien haben Angst vor ihnen und haben (hoffentlich) begriffen, dass sie so nicht weiter machen können wie bisher. Die Piraten sind für mich vor allem ein Zeichen dafür, dass ganz normale Leute – und es werden nicht die „Nerds“ die bestimmende Kraft in der Partei abgeben, sondern die, die sich über das große Ganze einen Kopf machen, also darüber, wohin sich diese Gesellschaft entwickeln soll – sich einmischen. Occupy und Demos sind halt schön und gut, doch ohne eine politische Kraft, die diese Anliegen auch ins Parlament trägt, meist nur Strohfeuer. Genau hier sehe ich die große Chance der Piraten-Partei: Dass sie den politisch Aktiven eine Möglichkeit gibt, ihre Anliegen zur Sprache zu bringen und einem breiteren Publikum vorzustellen, denn letztendlich entscheidend sein wird sowieso, wer die MACHER sind, wer sich in politischen Ämtern ins Rampenlicht stellt, wer es vermag, Kräfte zu bündeln. Bei diesen Prozessen bleiben sicher auch ein Stück weit die „Liquid Democracy“ und andere Instrumente auf der Strecke aber aus meiner Sicht ist alles besser, als der derzeitige Stillstand, der von den Besitzstandswahrern und Aussitzern gewollt wird. Denn Stillstand gibt es sowieso keinen. Allein die demographische Entwicklung verlangt neue Antworten. Hinzu kommen die sogenannte Globalisierung, die immer deutlicher zutage tretende Knappheit von Ressourcen, das fortschreitende Auseinanderfallen der Gesellschaft, die Implosion unseres Geldsystems und viele weitere Probleme. Wer denkt, alles könnte so bleiben, wie es ist, der hat schon verloren.

Aufgabe der Politiker sollte es sein, die Zukunft so zu gestalten, dass sie für alle Menschen unseres Landes (und im großen Zusammenhang aller Länder) lebenswert ist. Anstelle auf den Piraten rumzuhacken, sollten sich die etablierten Parteien – allen voran SPD und Grüne – fragen, welche sinnvollen Ideen sie von den Freibeutern der Politikszene übernehmen können und wie sie ihre guten Vorschläge in die – wohl eher linke – Piratenpartei hineintragen können. Dann bekommt die Bundesrepublik vielleicht auch mal eine Demokratie, die diesen Namen verdient hat.

Nachtrag

In der gestrigen WELT erschien der Artikel “Der kollektive Orientierungsverlust der Piraten” von Ulrich Clauß, der nicht nur die Piraten selbst als “gefährliche Dilettanen” darstellt, sondern gleich auch noch deren Wähler zu kompletten Idioten erklärt: “Viele Wähler wollen vielleicht gar nichts mehr sagen, auch weil sie nichts zum Sagen haben. Und sie wollen auch gar nicht, dass die Piraten irgendetwas sagen. Was könnte das auch sein?” Und über die Piratenpartei heißt es herablassend: “Es war schließlich nicht mehr als eine Ladendiebstahlsbewegung, die mit der Forderung nach Austausch gestohlener Musik und Kinofilmen via Internet den Gründungsmythos einer Freiheitsbewegung konstruierte.” Ich hoffe, dass die nächsten Wahlen diesen konservativen “Denkern” einen heftigen Schuss vor den Bug verpassen.

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In diesem Artikel soll es um das Gedicht von Günter Grass in der Süddeutschen Zeitung gehen, das derzeit heftig diskutiert wird. Bevor Du, lieber Leser, hier weiter liest – falls es Dich interessiert – bitte ich Dich, erst einmal das Werk selbst in Augenschein zu nehmen, denn ich denke, es ist nur fair dem Autor gegenüber, dass man weiß, worüber man redet.

Vorbemerkung:

Um einige Sachen von Vornherein klarzustellen, hier noch einige Statements zu meinen Ansichten:

1) Ich bin kein Antisemit – Ich weiß, dass die „Protokolle der Weisen von Zion“ eine Fälschung sind. Ich glaube nicht an eine „jüdische Weltverschwörung“ und bin überzeugt davon, dass Juden – ob man den Begriff nun als religiöse oder (was ich ablehne) als „rassische“ Kategorie versteht – weder bessere noch schlechtere Menschen sind als andere. So wie ich jede Art von Pauschalisierung aufgrund von Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht, Religion, sexueller Präferenz und was auch immer man sich da für Unterscheidungsmerkmale noch ausdenken kann, ablehne. Für mich entscheidet sich wie ich zu einem Menschen stehe in erster Linie daran, wie er sich verhält. Wenn ich direkt mit ihm in Berührung komme, ist für mich entscheidend, wie er sich mir, meinen Freunden und meiner Familie gegenüber verhält. Selbstverständlich bin ich, wie wohl die meisten Menschen auch, nicht vorurteilsfrei. Ich versuche aber, meine Sicht der Dinge je nach tatsächlicher Lage anzupassen und mich auch auf andere Lebensumstände, Kultur, Traditionen etc. einzustellen, insbesondere, wenn ich andernorts zu Gast bin. Was ich allerdings auch von anderen Menschen erwarte, wenn sie hierzulande zugange sind. Fremde Kulturen sehe ich nicht grundsätzlich als Gefahr, wobei ich allerdings bestimmte Auswüchse ablehne. Das klassische Beispiel ist das des Muslims in Deutschland, der seine Frau wie eine Leibeigene behandelt. Das finde ich inakzeptabel, genau wie den deutschen Macho, der meint, seine Frau wäre nur zum Putzen, Poppen und Präsentieren auf dieser Welt.
2) Günter Grass mag ich nicht. Aus meiner Sicht ist er ein selbstgefälliger alter Mann, der sich auf seinen in der Vergangenheit sicher zu Recht erhaltenen Lorbeeren ausruht und gern mit der moralischen Keule um sich schlägt, weil er ja so ein feste moralische Institution ist. Sein „Gedicht“ finde ich literarisch einfach Mist.
3) Günter Grass hat selbstverständlich, wie jeder andere Mensch das Recht, seine Meinung zu äußern. Da er etwas berühmter ist als ich, findet er z.B. Raum dafür in der Süddeutschen Zeitung. Nein, ich werde da jetzt nicht neidisch werden, weil man mir diesen Platz nicht einräumt.

Gut soweit. Kommen wir zu den im Gedicht angesprochenen Fakten:

  • Israel hat die Atombombe und KANN diese auch einsetzen. Ob das Land dies tut oder nicht, wissen wir erst, wenn es soweit ist.
  • Der Iran bemüht sich mit großer Wahrscheinlichkeit darum, ebenfalls in den Besitz nuklearer Waffen zu kommen. Wenn er diese hat, KANN er sie gegen Israel einsetzen, muss dies aber nicht tun.
  • Allein die Möglichkeit, dass der Iran Atomwaffen bekommen könnte, sorgt in Israel verständlicherweise für Angst. Denn nicht nur die iranische Führungsspitze spricht dem Staat Israel sein Existenzrecht ab.
  • Das atomare Potential des Staates Israel unterliegt keinerlei Kontrolle. Die Amerikaner wissen aber sicher genau, was die Israelis alles in petto haben.
  • Deutschland liefert gerade mal wieder ein preiswertes U-Boot nach Israel, von dem aus sich atomare Raketen abschießen lassen.
  • Und wie habe ich das jetzt alles zu bewerten?

    Wer von mir eine eindeutige Antwort erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Ich bin nur ein stinknormaler Bürger und kein Politiker. Ein paar Dinge möchte ich doch als Denkanstoß hier zur Diskussion stellen.

    Israel und die Juden

    Was immer wieder gern – insbesondere von Rechtsaußen – getan wird, ist, Israel und „die Juden“ gleichzusetzen. Das ist falsch! Juden gibt es auf der ganzen Welt als religiöse Gruppen (oftmals auch schon säkularisert wie die meisten Christen heutzutage), Israel ist ein überwiegend von jüdischen Menschen bewohnter Staat im so genannten Nahen Osten. Es gibt – nur mal so erwähnt – unter anderem auch israelische Palästinenser oder arabische Israelis.

    Der Staat Israel ist eine säkulare, parlamentarische Demokratie nach westlichem Vorbild. Im Spektrum der politischen Parteien gibt es sowohl „linke“ als auch „rechte“ Vertreter. Während die einen an einem friedlichen Zusammenleben mit den arabischen Nachbarn interessiert sind, sehen die anderen Israel quasi in der Rolle einer Hegemonialmacht der Region. Letztere werden massiv von den Vereinigten Staaten und damit auch der Nato „gepampert“, da das westliche Bündnis Israel als seinen „Fuß in der Tür“ im Nahen Osten sieht. Scharfmacher wie die religiöse Rechte der USA und die Ultraorthodoxen in Israel sorgen immer wieder dafür, dass die Konflikte mit den Nachbarn geschürt werden. Die gegenwärtige Situation im Verhältnis Israel – Iran hat auch viel damit zu tun, dass die USA und der ganze Westen sich ihre Einflusssphäre in den ölreichen arabischen Ländern sichern und diese ausbauen wollen. Seit einiger Zeit wird an einem Vorwand gebastelt, einen Krieg gegen den Iran vom Zaun zu brechen, der zum einen als „Mullahregime“ politisches Vorbild für viele radikalislamische Strömungen fungiert, zum anderen unberechtigter Weise auf unseren Ressourcen sitzt ;-)
    Ich vermute mal, dass schon längst Nato-Truppen, zumindest aber eine “Koalition der Willigen” zwischen Kaspischem Meer und Persischen Golf unterwegs wären – selbstverständlich um die Demokratie ins Land zu bringen – hätte man sich nicht schon im Irak (westlich vom Iran) und in Afghanistan (östlich vom Iran) verausgabt.

    Araber gegen Israelis

    Die arabische Welt hat logischerweise ein ganz anderes Verhältnis zu Israel, nicht nur, weil hier Juden auf Moslems treffen. Der Staat Israel hat nämlich einen klitzekleinen Geburtsfehler. Nach dem Holocaust in Europa sah es die UNO als gerechtfertigt an, den Juden einen eigenen Staat zu geben – Palästina stand damals unter britischem Mandat – erste Bemühungen eine „nationale Heimstätte für das jüdische Volk“ zu gründen, stammen bereits aus dem Jahre 1917. Man teilte also das Land in einen jüdischen und einen arabischen Staat, was schon damals den meisten Arabern nicht gefiel. Sofort nach der Gründung Israels 1948 begannen Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien einen Krieg gegen das neue Land, den sie aber verloren. Zwei weitere Kriege folgten, jeweils ausgehend von den Gegner Israels und stets mit dem Ziel den jüdischen Staat zu vernichten – was auch zeigt, dass die Angst Israels vor der Auslöschung keine blanke Paranoia ist.

    Das komplexe Thema hier in aller Ausführlichkeit zu schildern, würde den Rahmen des Artikels sprengen, es sei nur noch gesagt, dass die Situation extrem verfahren ist. Persönlich halte ich einen säkularen, palästinensisch-jüdischen Staat für die beste Lösung, was aber angesichts der Verletzungen, die sich beide Seiten zugefügt haben, reichlich illusorisch ist.

    Ist Grass Antisemit?

    Zurück aber zum Gedicht von Günter Grass. Dass dem Dichter vom deutsch-jüdischen Historiker Michael Wolffsohn vorgehalten wird, sein Gedicht wäre in der rechtsradikalen “National-Zeitung” “gut platziert” gewesen, dürfte niemand verwundern, der sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt. Denn im Rechtsaußendiskurs ist es üblich, sich „endlich mal zu getrauen“, Kritik an Israel zu üben, wobei gern Juden und Israelis in einen Topf geworfen und die Verfehlungen des Staates Israel mit denen des nationalsozialistischen Deutschlands verglichen, wenn nicht gar gleich gesetzt werden. Anders als bei Grass wird man in diesem Umfeld selbstverständlich vergeblich nach deutscher Selbstdemütigung suchen. Dass die Rechtsaußen diesen Diskurs für ihre Zwecke nutzen können, liegt vor allem daran, dass die Kritik an der zum Teil (wenn auch aus israelischer Sicht sicher begründeten, s. Existenzrecht) aggressiven Politik in unserer Gesellschaft schnell mit dem Stempel „Antisemitismus“ versehen wird, weil die herrschende Kaste dieses Landes sonst zugeben müsste, dass man im Nahen Osten ganz klare Interessenpolitik betreibt. Insofern hat Grass als moralischer Rufer in der Wüste vollkommen Recht, wenn er anmahnt, wir sollten keine Atom-U-Boote nach Israel liefern. Aber das Wohl der deutschen Waffenindustrie liegt uns ja allen am Herzen.

    Ob Grass Antisemit ist, kann ich nicht sagen, ich kann ja schließlich nicht in seinen Kopf schauen. Ich würde aber mal vermuten, dass er dies nicht ist. Dass er als etablierter Kulturschaffender des Landes überhaupt den Mund aufmacht, ist ihm hoch anzurechnen, ob die Form die richtige ist, sei einmal dahingestellt. Ich hoffe nur, dass mehr Menschen Dank der Diskussion „der Heuchelei des Westens“ überdrüssig werden. Viel Hoffnung habe ich aber nicht. Herr Köhler musste ja genau deswegen, weil er mal Klartext gesprochen hat, seinen Posten räumen.
    Wer – wie ich auch – geglaubt, nein gehofft hat, nach dem Zusammenbrechen des Ostblocks wäre die Zeit reif, für eine friedlichere Welt, der muss sich leider eingestehen, dass das genaue Gegenteil passiert ist. Das „Gleichgewicht des Schreckens“ ist aus der Waage geraten und derzeit werden die Karten neu verteilt. Auch Iran und Israel versuchen, sich im großen Poker eine gute Ausgangsposition zu verschaffen. Hoffen wir, dass in beiden Ländern, genauso wie hierzulande und in den USA nicht diejenigen die Oberhand behalten, die sich mittels Krieg die Ressourcen für die zukünftige Entwicklung sichern wollen. Denn das könnte das Ende der Menschheit und der Erde, wie wir sie kennen, bedeuten. Wir sollten es nicht einem alten Herren allein überlassen, seine Stimme zu erheben, sondern alles in unserer Macht stehende gegen diese Entwicklung tun. Ein Krieg zwischen Iran und Israel wäre – auch „nur“ konventionell geführt – ein weiterer, großer Schritt auf den Abgrund zu. Apokalypse Now. Weltuntergang 2012.

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    Ein Freund hat mich darauf hingewiesen, dass unser Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) im Februar dem CIA-Chef David Petraeus das Bundesverdienstkreuz verliehen hat. Zwar nicht in seiner Rolle als Oberster des US-Geheimdienstes, sondern für seinen Einsatz als Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe Isaf, doch bleibt ein schaler Beigeschmack. Dass das militärische Eingreifen der NATO am Hindukusch völkerrechtswidrig ist, ist eine Seite. Die andere ist, welches Signal die Ehrung des höchsten CIA-Repräsentanten darstellt. Persönlich erinnert mich das Ganze an die Auszeichnung Nicolae Ceaușescu, der 1988 vom DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker zum 70. Geburtstag den Karl-Marx-Orden an die Brust geheftet kam. Die Verleihung des höchsten Ordens des Landes war ein klares Zeichen der DDR-Führung, denn der „rumänische Bruder“ lehnte die Perestroika strikt ab. Selbst mir als nur mäßig informierten DDR-Bürger war klar, dass Ceaușescu sein Land, wie man es so schön euphemistisch ausdrückt „mit eiserner Hand“ regierte, die Verleihung des Karl-Marx-Ordens empfand ich als Affront.
    Warum dieser Vergleich, der ja eigentlich nur hinken kann? Aus meiner Sicht gibt es nur einen Unterschied: Ceaușescu und die DDR stehen auf der Seite der historischen Verlierer, die USA und damit die CIA auf Seiten der Gewinner. Ansonsten betrachte ich den Geheimdienst als verbrecherische Organisation, die sich seit Jahrzehnten massiv in andere Ländern einmischt, Terrorregime unterstützt, Menschenrechte in jeder Form missachtet, Drogenhandel zur Finanzierung ihrer Projekte betreibt und so weiter und so fort. Die CIA ist aus meiner Sicht, genauso wenig wie unser Verfassungsschutz, eine demokratische Organisation. Sie verfolgt eine Agenda, die die reaktionärsten Kreise der USA vorgeben, die der Meinung sind, sich die Welt nach ihren Vorstellungen zurechtbiegen zu müssen (Wer’s nicht glaubt, kann ja die Quellen zum Wikipedia-Eintrag zur CIA in Augenschein nehmen oder schaue hier rein). Ein Mitglied einer solchen Organisation hat keine Auszeichnung verdient, schon gar nicht die höchste meines Landes.

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    Wenn hierzulande von Drogen die Rede ist, dann dreht sich die Diskussion meist um Süchtige und Suchtprävention, Organisierte und Beschaffungskriminalität oder um rechtliche Rahmenbedingungen, soll heißen: was ist erlaubt, was verboten. Lassen wir all diese Aspekte einmal außen vor, so lässt sich feststellen, dass vieles was in der so genannten ersten und zweiten Welt als Rauschmittel konsumiert wird, aus recht armen und häufig auch politisch instabilen Ländern kommt. In diesen Ländern hat der Anbau von Drogen auch eine wichtige wirtschaftliche Funktion als Möglichkeit für die einfache Bevölkerung, sich ein Einkommen zu erarbeiten, dient aber auf der anderen Seite auch dazu Machtkämpfe zwischen verschiedenen Interessengruppen zu finanzieren: Guerilla, Para-Militärs, Warlords, alle verdienen mit und rüsten Dank der Einnahmen aus dem Drogengeschäft weiter auf. Insbesondere die USA ist dafür bekannt, im Gegenzug den Regierungen solcher Länder militärisch „unter die Arme zu greifen“, um ihren Kampf gegen die Drogen in den Erzeugerländern zu führen. Über diese Vorgänge ist hierzulande immer noch recht wenig bekannt, weshalb ich hier auf zwei Romane und eine Reportage hinweisen möchte.

    Das erste ist ein neues Buch zum Thema Opium aus Afghanistan: „Afghanistan Dragon – über Opiumanbau am Hindukusch“. Leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit, das Buch selbst zu lesen, weshalb ich hier nur die Ankündigung zitieren will: „Der Schweizer UN-Drogenbeauftragte Professor Beat Hodler reist im UN-Auftrag an den Hindukusch, um den missbräuchlichen Opiumanbau in Afghanistan zu erforschen. Schon am Ausgangspunkt seiner Eruierungen in Kabul trifft er auf extreme Widersprüche, die zu entschlüsseln den Mediziner reizt, da die Behauptungen eines reichen Teppichseidenfabrikanten sinnfällig und bitter, doch dabei zugleich höchst seltsam klingen. Der Professor entschließt sich zu einem riskanten Unternehmen, gegen erhebliche Widerstände: Er zieht ins Hochgebirge nahe der Grenze zu Tadschikistan. Dort oben im äußersten Nordosten in einem kleinen Dorf lernt Hodler die Faktoren für den Mohnanbau sowie den Opiumabsatz in diesen Gebieten kennen, derweil der Dorfälteste gleichzeitig in einem Kabuler Gefängnis darüber grübelt, wer in der Hauptstadt ausgerechnet an seiner Verhaftung interessiert sein könnte. Der Professor trifft den kreativen, innovationsfreudigen Agraringenieur Khaled und dessen uneigennützige Geliebte Sanaubar, die ihren Lebensunterhalt mit dem Ritzen der Mohnkapseln verdient und sich um Shanzai kümmert, eine jugendliche Versehrte, die aufgrund eines Selbstmordattentats ihre Arme und ein Bein verloren hat, jedoch nicht ihren heiteren Lebensmut und unersättlichen Wissensdurst. Wiederholt gerät der Professor in Todesgefahr, da er argen Dunkelmännern verschiedenster Couleur begegnet, so Marodeuren, Söldnertrupps, al-Qaida-Terroristen, War Lords, Drogenbaronen, aber auch in Opiumgeschäfte verwickelten Diplomaten und Geheimdienstlern wie dem berüchtigten, sagenhaften US-Agent, der als der „weiße Ibrahim“ bekannt ist.“
    Schon anhand dieser Beschreibung wird klar, dass das Thema kein einfaches ist, da zahllose Interessengruppen im Drogengeschäft mitmischen und jeder versucht, sein Geschäft zu machen. Wer sich einen Eindruck von der literarischen Qualität von Afghanistan Dragon machen will, der kann dies hier tun.

    Dem amerikanischen „war on drugs“ widmet sich der Roman „Tage der Toten“ von Dan Winslow. Hauptthema des Krimis ist die Verstrickung von US-Geheimdiensten, insbesondere der CIA, in das mittelamerikanische Drogengeschäft, vor allem in Mexiko. Während offiziell ein erbarmungsloser Kampf gegen die Drogen geführt wird (Hauptheld Art Keller arbeitet für die DEA, nutzt die CIA bei Kenntnis höchster Regierungsstellen, die Infrastruktur der Drogenschmuggler für ihre eigenen Zwecke: Mit den Flugzeugen der „Federación“ werden Waffen zum Beispiel nach Honduras transportiert, um dort und im Nachbarland Nicaragua die „Kommunisten“ zu bekämpfen. Traurig an diesem Roman: Die Fakten, auf denen er basiert, sind wahr.

    Während die beiden Bücher vor allem den „Thrill“ also Bandenkämpfe und Fehden zwischen Drogenhändlern und –jägern betonen, beschäftigt sich die Dokumentation „Koka, Terror und der Inkaaufstand“ mit dem Kokainanbau in Lateinamerika und dessen sozialen Strukturen. Hier verschwimmen die sonst so klaren Fronten schnell. Zum einen gehört die Kokapflanze seit Jahrtausenden zum kulturellen Erbe der Inkas. Wer würde in Mitteleuropa z.B. den Menschen den Alkohol verbieten wollen? Doch die Regierungen von Ländern wie Peru oder Kolumbien verfolgen den Anbau – auch dank finanzieller und politischer Alimentierung aus den USA – hartnäckig.
    Über diesen traditionalistischen Ansatz hinaus, ist Koka oft das einzige Produkt, mit dem sich Geld verdienen lässt. Das liegt weniger daran, dass Ananas, Maniok & Co. nicht auch da gedeihen würden, wo die Rauschpflanze wächst. Das Problem ist vor allem eines logistischer Natur: Während die Drogenbanden besten ausgerüstet sind, Aufkauf und Vertrieb des Kokas zu bewerkstelligen, haben die armen Bauern kaum eine Chance, ihre legalen Produkte zu verkaufen. Wie auch, wenn der nächste Markt zig Kilometer entfernt ist, keine Straßen existieren und sich sowieso niemand Autos leisten kann. Der Staat hilft zwar bei der Umstellung der Produktion, dann lässt er die Bauern aber auf ihren Produkten sitzen.
    Staatliche Macht lässt sich vor allem in Form der Armee blicken, die Guerilla und Para-Militärs bekämpft. Die Bauern stehen immer zwischen allen Fronten und werden bei diesem Kampf aufgerieben…

    Man kann von dem Thema halten, was man will. Fakt ist: Die exorbitanten Gewinne mit Drogen lassen sich nur aufgrund deren Illegalität machen. Eine Legalisierung würde den mafiösen Strukturen schlagartig die Grundlage entziehen. Staaten wie Kolumbien könnten, statt im Kampf gegen die Drogen ihre Armee immer weiter aufzurüsten, in die Infrastruktur und in soziale Gerechtigkeit in ihrem Land investieren. Doch das wird wohl nicht geschehen, solange noch genügend mächtige Menschen am Drogenverkauf profitieren.

    PS: Das Argument, eine Freigabe aller Drogen würde zu Chaos und Anarchie führen, hat das Beispiel Portugal widerlegt, wo Besitz und Gebrauch von Drogen – für den persönlichen Bedarf , inklusive Kokain und Heroin – im Juli 2001 entkriminalisiert wurden. Siehe hier:

    Das normalisierte Drogenparadies am Ende Europas“ bzw. “Drug DECRIMINALIZATION IN PORTUGAL – Lessons for Creating Fair and Successful Drug Policies” (Pdf)

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