Archiv für August 2010

Der erste Eindruck zählt. Das gilt nicht nur für das Äußere. Auch wenn wir einen Namen hören, bevor wir die Person überhaupt gesehen habe, verbindet sich damit bei uns eine Vorstellung, welcher Typ Mensch sich hinter „Heiko“, „Kerstin“ oder „Ulf“ verbirgt. Sofort entsteht ein Bild im Kopf, wie die Person aussehen könnte, wie alt sie ist oder wie intelligent. Selbstverständlich halten diese Vorstellungen nicht immer der Wirklichkeit stand, das ändert aber nichts daran, dass wir Namen stets auch bestimmte Eigenschaften zuordnen. Auf der Website Onomastik kann man sich ein Bild davon machen, welche Vorstellungen sich mit verschiedenen Namen verbinden. Ein Onogramm bzw. onomastisches [also namenkundliches] Assoziationsdiagramm zeigt diese Wahrnehmungen und Assoziationen zu einem Namen auf. Selbstverständlich können diese Wahrnehmungen individuell stark variieren, in der Gesamtheit werden aber Tendenzen deutlich. Den Rest des Eintrages lesen »

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Hörkurve Laut einer aktuellen Studie nimmt die Schwerhörigkeit dramatisch zu. So lasse sich schon bei 20 Prozent der Jugendlichen eine Schwerhörigkeit feststellen. Richtig verwundern kann das aber niemanden.

Bereits als der Walkman zu Beginn der 1980er in Mode kam, warnten Experten davor, dass die oftmals brutal laut eingestellten Geräte die Hörfähigkeit ihrer jugendlichen Träger negativ beeinflussen könnten. Natürlich war das typisches „Spießergebrabbel“ – gestört hat sich niemand daran. Heute heißen die Abspielgeräte iPhone oder Handy, geändert hat sich am Problem nichts. Im Gegenteil: Alt und jung isolieren sich gleichermaßen unter der privaten Schallglocke von der Außenwelt.
Während Niemand einem anderen verbieten kann, sich selbst zu schädigen, wurden in Diskotheken und bei Rockkonzerten zulässige Höchstgrenzen für die Beschallung eingeführt. Viel genutzt hat das nicht, denn nur wenige Veranstalter halten sich daran. Während kommerzielle Locations gelegentlich kontrolliert werden, dreht im Untergrund jeder die Anlage auf, bis es im Ohr klingelt. Bleibende Schäden sind da vorprogrammiert.

Doch nicht allein die „böse Popmusik“ ist Schuld am zunehmenden Unvermögen, zu hören. Gerade die in Städten vielerorts auftretenden Lärmpegel haben ihren Anteil am „Sinneswandel“: der Lärm der Straßen, Baustellengeräusche, Maschinengeratter. Unser Ohr ist ein empfindliches Organ, doch in unserem Alltagsleben stehen wir praktisch ständig unter akustischem Beschuss. Kein Wunder, dass Ruhe solch ein kostbares Gut geworden ist. Bei aller Asozialität des Verhaltens, kann ich durchaus verstehen, dass Menschen gegen Kindergärten in ihrer Nähe klagen. Klar, dass das besonders oft in ruhigen Wohngegenden der Fall ist. Sollen doch die Gören dort kreischen, wo es eh schon laut ist, unterm Bahndamm zum Beispiel… So sichern wir heute schon, dass die Rentner von morgen nichts mehr hören. Selig sind die Tauben im Lärme!

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Über den eigentlichen Vorfall bei der Loveparade in Duisburg muss ich an dieser Stelle sicher nichts mehr schreiben – 21 Menschen starben bei einer Massenpanik in einem Tunnel. Dass jetzt nach den Ursachen für die Katastrophe gesucht wird, ist mehr als verständlich. Beobachtet man allerdings die jetzige Diskussion, so muss man konstatieren, dass da einiges schief läuft.

Schnell stand Rainer Schaller als Veranstalter der Loveparade im Zentrum der Kritik. Ehrlich gesagt, sehe ich da sein klein wenig anders: Die Schuld verteilt sich auf zahllose Schultern. Da sind zum einen die Lokalpolitiker, allen voran Oberbürgermeister Adolf Sauerland, die die Veranstaltung in ihrer Stadt haben wollten. Sieht ja auch gut aus, wenn man Kulturhauptstadt ist, noch solch eine gigantische Veranstaltung im Portfolio zu haben. Nur gibt es die selbstverständlich nicht umsonst. Als aller erstes bedarf es eines geeigneten Geländes. Und da hatte Duisburg nur ein altes Bahngelände zu bieten, unaufgeräumt, abgeschlossen und kaum ausreichend für die zu erwartende Anzahl an Besuchern. Kostenlose Großveranstaltungen unter freiem Himmel haben das grundlegende Problem, dass nur schwer absehbar ist, wie viele Menschen dem Ruf zur Party folgen. Ist das Wetter gut, platzt das Gelände aus allen Nähten, bei schlechtem Wetter verirren sich nur wenige hin. Im Sommer und im Ballungszentrum Ruhrgebiet konnten die Verantwortlichen eher davon ausgehen, dass die Zuschauerzahl recht hoch ausfällt. Das Gelände hätte also von vornherein sinnvollerweise größer ausgelegt werden können, um Reservekapazitäten zu haben. Ein Grundstück, auf dem vielleicht 300-400.000 Menschen Platz finden, ist ungeeignet wenn man die doppelt, wenn nicht gar dreifache Menge erwartet. Im Zweifelsfalle muss man sich überlegen, wohin man de „überschüssigen Gäste“ ableitet, um den Druck vom Veranstaltungsort zu nehmen. All dies ist scheinbar nicht passiert.

Als Jemand, der gelegentlich auch zu Großkonzerten unterwegs ist und selbst kleine veranstaltet, ist mir absolut fraglich, wie die Veranstalter auf die Idee kommen konnten, nur einen Zugang zum Gelände freizugeben, zudem ein hundert Meter langer Tunnel, in dem sich auch noch ein- und ausströmende Besucher begegnen. Da muss ich kein Fachmann sein, um zu wissen, dass das schief geht. Warnungen gab es ja genügend vorab.
Doch ist diese Fehlplanung Herrn Schaller anzulasten? Nicht wirklich, denn Polizei und Feuerwehr haben das Gelände so freigegeben. Sogar ein Panikforscher gab sein Urteil ab, das nicht hieß: So kann man das nicht machen! Was sollte ein Veranstalter mehr tun, als sich von allen, die offensichtlich Ahnung von der Materie haben, ein Urteil einzuholen? War es der Druck aus der Politik, der die „Sicherheitsorgane“ und den Experten ihre Bedenken vergessen ließen? Darüber kann ich an dieser Stelle nur spekulieren. Was wäre passiert, wenn die Polizei gesagt hätte: „Wir können die Veranstaltung unter diesen Umständen nicht absichern“ oder die Feuerwehr die Auflagen so erhöht hätte, dass entweder die Sicherheit gewährleistet oder die Veranstaltung abgesagt worden wäre? Eigentlich wäre das ihre Pflicht gewesen. Vielleicht hätte es für Duisburg einen kleinen Imageschaden gegeben, 21 Menschen wären jetzt aber höchstwahrscheinlich noch am Leben.

Herrn Schaller kann man aus meiner Sicht nur eins vorwerfen: Selbstüberschätzung! Erfolgreich ein Fitness-Imperium aufzubauen, ist eine Sache, eine Großveranstaltung dieser Dimension auszurichten, eine andere. Eigentlich hätte auch er merken müssen, dass die ganze Geschichte aus dem Ruder läuft. Aber so sind die Menschen nun mal; sie denken stets: „Es wird schon alles gut gehen“. Tut es auch meistens aber eben nicht immer. Diese Erkenntnis haben in Duisburg einige Technofans mit dem Leben bezahlt…

Im Nachgang ist zu befürchten, dass die Politik, die maßgeblich an der Katastrophe beteiligt war, sich für schärfere Gesetze stark machen wird und Großveranstaltungen schärfer als bisher unter die Lupe nimmt. Doch es ist so wie in den meisten Fällen, wenn profilierungssüchtige Volksvertreter nach Gesetzesverschärfungen schreien: Das Problem sind nicht die Gesetze, sondern ihre Anwendung! Solange die durch zahllose Ausnahmeregelungen ausgehebelt sowie absehbare Probleme wegdiskutiert werden und niemand den Mut hat, notwendige aber unpopuläre Entscheidungen zu treffen (z.B. durch Absage der Loveparade), werden sich solche Katastrophen wiederholen.

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