Archiv für Dezember 2009

Am 4. September gab ein deutscher Offizier den Angriffsbefehl auf zwei von den Taliban entführte Tanklaster. Die US-Luftwaffe zerstörte daraufhin die Fahrzeuge, wobei knapp 150 Menschen getötet und verletzt wurden. Soweit die Fakten. Wer von den militärisch und politische Verantwortlichen in unserem Lande was und wann wusste, ob der Schlag militärisch gerechtfertigt war und ob nicht gar die Spezialkräfte der KSK vor Ort waren, darüber wird derzeit heftig gestritten.

Ehrlich gesagt finde ich die ganze Angelegenheit von Beginn an sehr seltsam. Muss man zwei Tanklaster, die in einiger Entfernung von der nächsten deutschen Basis im Schlamm eines Flussbettes feststecken als akute Gefahr einschätzen, die einen sofortigen Luftschlag rechtfertigt? Ich bin kein Militärexperte aber ich würde die Frage mit nein beantworten. Was bitte sehr soll der Gegner mit den Tanklastern anfangen. Auf die deutschen Stellungen werfen kann er sie nicht, also bleibt ihm nur, die Fahrzeuge wieder frei zu bekommen oder den Treibstoff umständlich abzuzapfen und auf anderem Wege weiterzutransportieren. Dass unsere Streitkräfte dies verhindern müssen, ist klar. Denn es besteht selbstverständlich die Gefahr, dass mit dem Treibstoff Fahrzeuge zum Transport von Kämpfern, Lebensmitteln, Waffen oder gar Spreng“werkzeuge“ befüllt werden, die einigen Schaden anrichten können.

Dabei kommen wir zur Frage zwei: Wie kann es sein, dass so viele Menschen bei dem Angriff starben? Für die Überführung der beiden Tanklastzüge würde eine militärische Truppe kaum mehr als 20 Mann gebraucht haben. Woher kam der Rest? Vermutlich aus den umliegenden Dörfern. Die Botschaft, dass die Fahrzeuge stecken geblieben sind, dürfte sich in Windeseile verbreitet haben und Schaulustige angelockt haben, ebenso wie „Abstauber“. Es ist ja wohl anzunehmen, dass sich Mancher die Gelegenheit, billig oder gar kostenlos an Treibstoff heranzukommen, nicht entgehen lässt. Insofern ist auch die Frage von entscheidender Bedeutung, wie lange die Tanklaster feststeckten und wie nahe es bis zur nächsten Ortschaft war. Umso näher das nächste Dorf und umso größer die Dauer zwischen Unfall und Bombardement, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Zivilpersonen am Ort des Geschehens einfinden. Auch folgerichtig: Gerade Minderjährige werden von solchen Ereignissen angezogen, wenn es in dem bitterarmen Land auch noch ein paar „Pfennige“ zu verdienen gibt, umso mehr.

Wenig wahrscheinlich scheint mir auch die Vorstellung, dass die Afghanen bei der „Verteidigung“ der Tanklaster zu Schaden oder Tode kamen. Selbst in einem Land, indem die Ressource Bildung so knapp ist, sollte eigentlich Jedem klar sein, was passiert, wenn ein voller Tanklaster von Geschossen getroffen wird. Mit anderen Worten: Sobald die Flugzeuge am Himmel zu sehen sind, müssten die Anwesenden wie ein Schwarm aufgeschreckter Hühner auseinanderstieben. Immer vorausgesetzt, die Piloten lassen ihnen genügen Zeit dazu. Einen Grund, dies nicht zu tun, gibt es eigentlich nicht, denn wie gesagt, eine unmittelbare Gefahr geht von der Situation meiner Ansicht nach nicht aus. Nach dem „showing of force“ oder wie man im Deutschen sagt, nach dem “Schuss vor den Bug“ hätten die Piloten ohne allzu große „Kollateralschäden“ ihr Werk vollenden können. Wer dann noch in der Nähe der Laster sich aufhielte, gehörte mit großer Wahrscheinlichkeit zu den Taliban.

Die grundsätzliche Frage, die sich im Zusammenhang mit dem Vorfall ergibt, ist für mich jedoch die Frage, was wir eigentlich da unten wollen. Die Freiheit am Hindukush verteidigen? Wohl kaum. Den militanten Islamismus stärkt man durch solche Kriege eher, denn weltweit fühlen Moslems mit ihren Glaubensbrüdern mit, die in diesem „unsymmetrischen Konflikt“ als David (schlechtes Beispiel, weil aus der jüdischen Mythologie) wahrgenommen werden, der sich gegen die westliche Welt als Goliath durchsetzen muss. Und seien wir ganz ehrlich: Das Wohlergehen des afghanischen Volkes liegt uns doch nicht wirklich am Herzen, sonst würden wir uns in erster Linie darum kümmern, dass die Menschen dort Strom, Wasser, Krankenversorgung, Bildung, einen Job zum Bestreiten ihres Lebensunterhaltes etc. haben. Die Logik, dass das nur geht, wenn Frieden ist, greift nicht, denn unzufriedene Menschen sind viel leichter dazu zu bewegen, einer abstrusen Heilsidee zu folgen, als zufriedene. Die Taliban militärisch zu besiegen, wird so oder so kaum gelingen. Daran sind bereits die Sowjets gescheitert und auch den Amerikanern und ihre Verbündeten wird das nicht gelingen.

Solange der „Westen“ die Welt aus einer Position der Stärke heraus regiert, so lange wird es politische Strömungen geben, die ihn bekämpfen auch mit terroristischen Mitteln. Insbesondere die US-Amerikaner haben allerorten zur Verschärfung der Situation beigetragen, haben sie doch schon immer die seltsamsten und brutalsten Bewegungen unterstützt, solange dies den Zielen der letzten verbleibenden Weltmacht dienlich war. Und auch wir Deutschen sind da keinen Deut besser, schließlich liegen wir als Waffenlieferanten auf Platz drei weltweit.

Das Kind ist schon vor langem in den Brunnen gefallen. Die immer gleichen und gleich unwirksamen Rezepte, die Krisen der Welt zu lösen, haben sich als unwirksam erwiesen. Vielleicht ist es endlich mal an der Zeit, andere Wege zu gehen? Eine fertige Allzweck-Lösung habe ich natürlich nicht in petto, sonst wäre ich schon UN-Generalsekretär. Dass Krieg aber nur wieder neue Konflikte schafft, ist eigentlich kaum zu übersehen. Doch all die Kriege fangen nie aus heiterem Himmel an. Mit verantwortungsvoller und vorausschauender Politik ließen sich sicher einige davon vermeiden. Aber vielleicht ist das ja gar nicht gewollt…?

Zum Abschluss muss ich noch eins loswerden: Wenn Einige so tun, als wäre jede Kritik an der Bundeswehr und der Wille um Aufklärung ein Messer in den Rücken der deutschen Soldaten, dann kann ich nur sagen: Wie könnt Ihr die jungen Leute so unvorbereitet und so ohne jede brauchbare Strategie da hinschicken? Nur, damit wir endlich wieder in der internationalen Politik mitmischen. Damit wir endlich wieder wer sind? Eine Frage, die uns unsere Politiker und Militärs nicht beantworten werden. Deshalb spielt es eigentlich auch keine Rolle, wer lügt oder wie viel…

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Passend zum Klimagipfel in Kopenhagen hat unser aller liebste Frauenzeitschrift Brigitte eine Umfrage im Angebot, mit deren Hilfe Jede und Jeder klären kann, ob er/sie nun ein Ökoengel oder ein Klimaschwein ist.

http://www.brigitte.de/index.php/gesellschaft/tests/klima-test-1045053/

Die Fragen sind zwar zum Teil ein wenig albern – oder halt klassisch Frauenzeitschriftmäßig, eine Aufklärung gibt es auch nicht, warum das eine gut und das andere schlecht ist aber dafür eine Gesamteinschätzung. Mit 21 von 26 Punkten lag ich da immerhin im grünen Bereich :-)

Dafür gibt’s am Ende noch zwei Links, einen zum Ökoberater und einen zu Klimawandlerinnen, Frauen auf der ganzen Welt, die sich für den Schutz des Klimas einsetzen. Gute Vorbilder können ja nie schaden!

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Das Wetter derzeit macht mich fertig. Gefühlte 20°C, in Wirklichkeit sind es vielleicht 10°C. + zehn Grad (!) Anfang Dezember! Ich will Winter! Schnee, Eis, Kälte. Der Klimawandel ist längst da.
Heute ist dieser Klimagipfel. Rauskommen wird dabei wieder nichts, außer ein paar Absichtserklärungen. Da werden wir wohl irgendwann als Grillhähnchen enden, mit nassen Füßen.

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“Wir wollen doch nicht vergessen, daß es unseren Zeitungen viel weniger darum geht, die Sache der Wahrheit zu fördern, als vielmehr darum, eine Sensation zu schaffen – Aufsehen und Eindruck zu machen. Für das erstere tun sie nur dann etwas, wenn das letztere dabei herausspringt…”

Edgar Allen Poe, “Das Geheimnis um Marie Rogêt”

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Jeder Mensch erlebt irgendwann mal schlimme Dinge, wird erniedrigt, beleidigt, belogen oder betrogen, manche trifft es sogar recht häufig. Um nicht zu explodieren, muss man sich da ab und zu Luft machen. Da es in unserer dichtbesiedelten Welt schwer ist, sich irgendwo in die Natur zu begeben und einfach loszuschreien, ohne gleich in einer psychiatrischen Anstalt zu landen, braucht es andere Kanäle, den Frust loszuwerden. Zum Glück gibt es ja das Internet. Dass sich einen ganze Menge gefrustete Menschen in den Weiten des Weltnetzes bewegen, ist leicht anhand der oft hämischen, unterirdisch bösartigen und unhöflichen Einträgen in Gästebüchern, Blogs und Foren festzustellen. Im Glauben an die Anonymität des Netzes lässt da manch Schreiber seine finstersten Seiten durchblicken.
Die Website abgehakt.net geht da einen anderen Weg. Wer will, kann seinen Eintrag hier als psychologisches Ventil benutzen, ohne irgendwem zu schaden. Die Regeln sind klar: „Keine Namen. Keine Vornamen, keine Nachnamen. Keine Orte oder identifizierbare Detailbeschreibungen. Keine Fäkalsprache. Nicht veröffentlicht werden: Namen, wiedererkennbare persönliche Angaben, Obszönes und sinnlose Hass-Tiraden, Nummern von Personalausweisen, Handys oder Autokennzeichen.“ Ist auch Alles nicht so wichtig. Einfach Dampf ablassen und dann ist das Thema abgehakt. Beim nächsten persönlichen Treffen ist ein Großteil des Ärgers verraucht und man kann auch wieder normal miteinander reden. Da sage noch mal jemand, das Internet fördere die Gewaltbereitschaft…

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